08. Wieso wir Fasching und Karneval feiern

Shownotes

Wenn dir der Podcast gefällt, abonniere ihn gern und hinterlasse eine Bewertung!

Folge uns für noch mehr Infos auf Instagram: 👉 https://www.instagram.com/wissenshelden?igsh=eGV2enY1dGdtc3Fp&utm_source=qr

Hier gibt es Hintergrundinfos zu den Folgen – und Platz für Fragen und Diskussionen.

Transkript anzeigen

00:00:01: Wissenshelden Der Podcast, der euch spannendes Wissen einfach und verständlich näher bringt.

00:00:08: Sorgfältig recherchiert und alle zwei Wochen eine neue Folge zum Mitdenken.

00:00:15: Hey meine Lieben und willkommen zurück bei Wissenshelden, eurem Podcast für spannende Geschichten und echtes Wissen, das euch weiterbringt.

00:00:22: Schön, dass ihr wieder dabei seid.

00:00:24: Hier geht es wie immer alle vierzehn Tage um ein spannendes Thema aus der Welt und der Geschichte.

00:00:29: Heute sprechen wir über Fasching oder Karneval.

00:00:32: Stell dir vor, du sitzt in der Schule und es ist Februar.

00:00:37: Neben dir sitzt eine Piratin, vor dir eine Katze und hinter dir ein Astronaut.

00:00:42: Alle sind verkleidet und die Lehrer tun so, als würden sie unterrichten, aber eigentlich wartet jeder nur auf die Party in der Tonhalle oder in der Aula.

00:00:49: Überall fliegen Luftschlangen und Konfetti, lustige Musik spielt und vielleicht fragst du dich, warum machen wir das eigentlich?

00:00:57: Woher kommt dieses ganze Verkleiden, die Umzüge, das Konfetti?

00:01:01: Und warum heißt es bei manchen Fasching, bei anderen Karneval und irgendwo anders Fastnacht?

00:01:06: Und genau darum geht es in unserer heutigen Folge.

00:01:09: Wir schauen uns an, wie aus alten Winterritualen und religiösen Regeln unser buntes Narrenfest wurde und warum du in Köln etwas anderes rufst als in München oder im Schwarzwald.

00:01:19: Also, Kostüm an und los geht's!

00:01:22: Bevor wir in die Geschichte springen, schauen wir kurz auf das, was du heute vom Karneval oder vom Fasching kennst.

00:01:27: In vielen Schulen gibt es einen Schulfasching.

00:01:29: Vielleicht mit Kostümwettbewerb, mit Musik, mit bunten Luftschlangen, vielleicht eine Polonese durch die Aula.

00:01:35: In manchen Städten, vor allem im Rheinland, sieht man riesige Umzüge, sogenannte Rosenmontagsumzüge oder Weiberfastnachtsumzüge mit Wagen, auf denen Politik und Promis veräppelt werden.

00:01:46: In anderen Gegenden ziehen Gruppen mit Holzmasten, Trommeln und Schellen durch die Straßen, die manchmal eher gruselig als lustig wirken.

00:01:53: Und überall heißt es irgendwie anders.

00:01:55: Fasching, Karneval oder auch Fastnacht, manche rufen Allaf, andere Hello und wieder andere gar nichts.

00:02:02: Das wiegt erst mal wie ein großes Durcheinander, aber dahinter steckt ein ziemlich klares System und vor allem eine lange Geschichte.

00:02:09: Um zu verstehen, wieso wir heute also verkleidet in der Schule sitzen, müssen wir weit zurückgehen.

00:02:14: In eine Zeit, in der es keine Schule, aber sehr viel Winter und sehr viel Aberglaube gab.

00:02:19: Lange bevor es das Christentum, das Kirchenjahr und die Fastenzeit gab, hatten Menschen ein großes Problem.

00:02:25: Den Winter.

00:02:26: Stell dir einen Winter ohne Heizung, ohne Supermarkt und ohne elektrisches Licht vor.

00:02:32: Es ist kalt und oft gibt es wenig zu essen.

00:02:35: Für viele Völker in Europa war klar.

00:02:37: Hinter kälte, Dunkelheit und Krankheit stecken böse Geister oder Mächte, die man irgendwie besänftigen oder vertreiben muss.

00:02:44: Also entwickelte man Bräuche.

00:02:47: In einigen Regionen verkleidete man sich mit Fällen, Masken und Hörnern, um böse Geister zu erschrecken und zu vertreiben.

00:02:55: In anderen gab es Umzüge mit Lärm und Glocken, Trommeln, um den Winter hinaus zu jagen.

00:03:01: Man feiert Feste, Trank und Ars noch einmal, wenn es ging als Zeichen, wir geben nicht auf, auch wenn es draußen düster ist.

00:03:09: Solche Bräuche gab es bei germanischen Stämmen, aber auch in der römischen Welt.

00:03:13: Die Römer feierten zum Beispiel dieser Tornalien, ein Fest, bei dem oft die Rollen getauscht wurden.

00:03:18: Herren dienten symbolisch ihren Sklaven und Regeln, wurden für kurze Zeit etwas lockerer gesehen.

00:03:23: Die Idee hinter diesen Festen ist überall ähnlich.

00:03:26: Für einen kurzen Moment darf alles ein bisschen verrückt sein.

00:03:29: Die Welt steht symbolisch Kopf.

00:03:32: Und danach kehrt die Ordnung wieder zurück.

00:03:33: Und genau diese Idee findet sich später im Fasching und Karneval wieder.

00:03:37: Denn es kam eine große Veränderung.

00:03:40: Europa wurde nach und nach christlich und die Kirche hatte ein großes Problem und gleichzeitig eine Chance mit diesen wilden Festen.

00:03:48: Mit der Ausbreitung des Christentums kam eine neue Struktur in das Jahr, nämlich das Kirchenjahr.

00:03:53: Und ein wichtiger Teil davon ist die Fastenzeit vor Ostern.

00:03:56: Das bedeutet vierzig Tage lang verzichten.

00:03:59: Früher, vor allem auf Fleisch, oft auch auf Fettes oder süßes Essen, Alkohol und bestimmte Formen von Spaß.

00:04:06: Die Fastenzeit startet mit dem Aschermittwoch und endet zu Ostern.

00:04:10: Und jetzt stell dir vor, du weißt, dass ab nächster Woche vierzig Tage lang Schokolade, Chips und andere Süßigkeiten, Fleisch und YouTube oder TikTok gestrichen sind.

00:04:21: Was machst du in den letzten Tagen davor?

00:04:23: Genau, nochmal richtig genießen.

00:04:26: Und genau so lief es damals auch.

00:04:28: Die Tage vor dem Aschermittwoch wurden zur letzten Chance nochmal richtig zu essen, zu trinken und ganz ausgelassen zu sein.

00:04:35: Und aus diesen älteren Winterbräuchen und diesem letztes Mal Feiern entstand nach und nach eine feste Zeit im Jahr.

00:04:42: Karneval, Fasching, Fastnacht.

00:04:46: Und selbst die Wörter verraten das schon.

00:04:48: Karneval leitet man von Karnelevare oder von Karnevale aus dem Lateinischen ab.

00:04:53: Das heißt Fleisch wegnehmen oder lebt wohl Fleisch.

00:04:56: Und Fastnacht heißt wortwörtlich die Nacht vor dem Fasten.

00:05:00: Fasching hängt sprachlich ebenfalls mit Fasten und alten Worten für Ausschank und Fest zusammen.

00:05:05: Die Kirche war zwiegespalten.

00:05:07: Einerseits waren diese Feste oft ziemlich wild und andererseits merkte man, es ist besser, den Menschen ein Ventil zu lassen, eine Zeit, in der sie Dampf ablassen können, bevor es ernst wird.

00:05:17: Und so wurden diese Feste nicht abgeschafft, sondern in das Kirchenjahr eingebaut.

00:05:22: Aber wie wurde aus diesen losen Feiern das, was wir heute als riesige Umzüge, organisierte Vereine und offizielle fünfte Jahreszeit kennen?

00:05:31: Im Mittelalter und der frühen Neuzeit bekamen das närrische Treiben immer mehr Struktur.

00:05:36: In Städten entwickelten sich feste Tage, an denen es Umzüge, Spiele und Masken gab.

00:05:41: Es entstand eine Art Narrenordnung.

00:05:43: Es gab Figuren wie den Narren, den Prinzen oder der Prinzessin.

00:05:48: Und besonders spannend, in diesen Tagen durften einfache Leute oft Dinge tun, die sonst verboten oder gefährlich gewesen wären, z.B.

00:05:55: die Obrikat verspotten.

00:05:57: Bauern vor allbern symbolisch ihre Herren, Man macht Witze über Politik, Kirche und Reiche und für kurze Zeit ist alles ein bisschen auf den Kopf gestellt und danach kehrt die normale Ordnung wieder zurück.

00:06:09: Im neunzehnten Jahrhundert wurden in vielen Städten Karnevalsvereine gegründet, vor allem im Rheinland.

00:06:13: Dort entstanden große organisierte Rosenmontagsumzüge mit Wagen, Musik und Fußgruppen, Karnevalssitzungen mit Bittenreden, Musik und Tanz.

00:06:23: So wurde Karneval oder Fasching von einem eher spontanen Volksfest zu einer bewusst organisierten fünften Jahreszeit mit Terminen, Vereinen, Regeln und natürlich ganz viel Spaß.

00:06:34: Okay, aber was machen wir da eigentlich genau?

00:06:37: Warum verkleiden wir uns und warum gibt es Masken?

00:06:39: und wieso darf im Karneval plötzlich alles gesagt werden, was sonst peinlich oder unangenehm wäre?

00:06:45: Das, was viele Menschen heute am Fasching feiern, ist das Verkleiden.

00:06:48: Aber dahinter steckt mehr als nur, ich will heute als Superheld in die Schule gehen.

00:06:53: Dahinter stehen drei ganz große Ideen.

00:06:55: Zum einen ist es der Rollenwechsel.

00:06:58: Im Alltag bist du Schüler, Sohn, Tochter, vielleicht in bestimmten Gruppen festgelegt, aber im Fasching kannst du einmal jemand ganz anderes sein.

00:07:06: Eine mächtige Figur, zum Beispiel eine Königin, ein Superheld, ein Ritter oder etwas Lustiges, eine Banane, ein Einhorn oder etwas Gruseliges.

00:07:14: Die Tradition dahinter ist, dass in alten Festen die Menschen für kurze Zeit aus ihrer Rolle ausbrechen durften.

00:07:20: Und das gibt Freiheit und manchmal auch Mut.

00:07:23: Die zweite Idee dahinter, die Masken sollen als Schutz für Freiheit dienen.

00:07:28: Wenn du eine Maske trägst, bist du schlechter zu erkennen.

00:07:31: Früher konnten Menschen so an ihrer Obrigkeit Kritik üben, ohne erkannt zu werden.

00:07:35: Heute fühlt man sich mit Kostüm oft mutiger, lauter, freier.

00:07:39: Man kann sich irgendwie entfalten, wie man es sich sonst vielleicht nicht trauen würde.

00:07:43: Und die dritte Idee ist die Narrenfreiheit.

00:07:45: Der Nar ist im Mittelalter eigentlich eine besondere Figur.

00:07:48: Er darf Wahrheiten aussprechen, die sonst niemand sagen darf.

00:07:51: Er macht Witze über Könige, Bürgermeister oder Politiker.

00:07:55: Und im Karneval gibt es so etwas wie eine gesellschaftliche Pause.

00:07:58: Man darf über alles und jeden Witze machen.

00:08:01: Natürlich idealerweise ohne Hass, aber durchaus derb.

00:08:05: Und danach gilt wieder der normale Ernst des Alltags.

00:08:08: Und so wird Fasching oder Karneval zu einer Art Sicherheitsventil.

00:08:12: Man lacht über Probleme, über Politik und über sich selbst.

00:08:15: Und das kann sehr befreiend sein.

00:08:17: Und das macht das Fest bis heute so wahnsinnig lebendig.

00:08:20: Und jetzt hast du viel über die Hintergründe gehört, aber eine Frage ist noch offen.

00:08:23: Warum sagt die eine Stadt Karneval, die andere Fasching und die nächste Fastnacht?

00:08:28: So, jetzt wird es regional, aber es ist gar nicht so kompliziert.

00:08:31: Im Grunde reden alle über die selbe Sache.

00:08:33: Die Tage vor dem Aschermittwoch.

00:08:35: Aber je nachdem wo du wohnst, ändern sich der Name, die Tradition und die Stimmung.

00:08:40: Fangen wir mal mit dem Karneval an.

00:08:42: Der ist typisch vor allem für das Rheinland, zum Beispiel Köln, Düsseldorf, Mainz.

00:08:47: Der Name Karneval hat den lateinischen Ursprung Karnelevare oder Karnevale, also Fleisch wegnehmen oder lebt wohl Fleisch.

00:08:55: Der Stil des Karnevals sind große Rosenmontagsumzüge mit bunten Wagen oder Weiberfastenachtsumzüge mit starken politischen Karikaturen auf den Wagen.

00:09:04: Dann gibt es viele Sitzungen mit Witzen, Reden und Musik, die typischen Rufe in Köln, Lautenalaf, in Mainz und Düsseldorf, Hillau.

00:09:13: Hier ist Karneval ein riesiges Städte-Event, oft mit Fernsehübertragung und sehr vielen Besucherinnen.

00:09:19: Und dazu kann ich euch sagen, ich komme aus dieser Gegend.

00:09:21: Ich habe zum Beispiel an Rosenmontage grundsätzlich keine Schule gehabt.

00:09:26: Das war schon ziemlich cool.

00:09:27: Und dann kommen wir zum Fasching.

00:09:29: Der Fasching ist eher typisch für Bayern, Teile Ostdeutschlands und Österreich.

00:09:33: Der Name Fasching steht in Verbindung mit Fasten und alten Wörtern für Ausschank.

00:09:38: Und gefeiert wird mit vielen Faschingsbellen oft in großen Sälen.

00:09:43: Es gibt Schulfasching, Vereinsfasching und buntgemischte Kostüme.

00:09:47: Umzüge gibt es zwar auch, aber nicht so groß und politisch wie im Rheinland.

00:09:51: Wenn du aus München und Umgebung kommst, kennst du wahrscheinlich vor allem den Fasching mit Prinzenpaar, Garde und bunten Partys.

00:09:57: Und für jemand, der jetzt in dieser Region lebt, war es echt enttäuschend, weil an Rosenmontag wird hier nämlich gearbeitet und man geht hier auch zur Schule.

00:10:05: Und das ist dann wiederum nicht so toll.

00:10:07: Und jetzt kommen wir zur Fastnacht.

00:10:09: Die ist typisch für Südwestdeutschland, zum Beispiel Schwaben, den Schwarzwald, den Bodensee, Teile von Baden, aber auch Teile der Schweiz und Österreichs.

00:10:19: Und es lässt sich ja aus den Namen schon raushören.

00:10:21: Das ist die Nacht vor dem Fasten.

00:10:23: Gefeiert wird die schwäbisch-allemannische Fastnacht mit traditionellen Holzmasken, aufwendig genähten Kostümen und festen Figuren.

00:10:31: Es gibt sogenannte Narrensprünge.

00:10:33: Das sind organisierte Umzüge der Narrenzünfte.

00:10:36: Die Stimmung ist oft stärker auf Brauchtum und alte Traditionen konzentriert.

00:10:40: Hier wirkt das Ganze manchmal weniger wie eine moderne Party.

00:10:43: Aber mehr wie ein sehr altes Ritual.

00:10:45: Und genau das macht es sehr besonders.

00:10:47: Wichtig dabei ist, alle drei, Karneval, Fasching und die Fastnacht haben die gleichen Wurzeln.

00:10:53: Alte Winterbräuche plus christliche Fastenzeit.

00:10:57: Der Unterschied liegt vor allem in der Sprache, der Region und dem lokalen Stil.

00:11:02: Und zum Schluss werfen wir noch einen kurzen Blick auf die wichtigsten Tage und dann bist du offiziell Faschingsprofi.

00:11:09: Man hört ja oft, Fasching oder Karneval sei die fünfte Jahreszeit und gemeint damit ist die Zeit zwischen dem Elften, Elften und Aschermittwoch.

00:11:17: Der Elfte, Elfte um elf Uhr.

00:11:18: Elf ist der offizielle Start der Saison, vor allem im Rheinland, da wird symbolisch der Karneval geweckt.

00:11:25: Dann gibt es die Weiberfastnacht, das ist der Donnerstag vor Aschermittwoch.

00:11:28: Traditionell ist das der Tag an dem Frauen symbolisch die Macht übernehmen, Rathäuser stürmen und Männer die Krawatten abschneiden.

00:11:35: Dann kommt der Rosenmontag, das ist der große Tag der Umzüge, wie ich ja schon gesagt hatte, besonders im Rheinland.

00:11:40: Und dann kommt der Faschingsdienstag, der Tag vor Aschermittwoch und das ist der letzte Tag des bunten Treibens.

00:11:45: Da finden beispielsweise in München die ganzen Faschingspartys statt.

00:11:49: Und an Aschermittwoch ist dann Schluss.

00:11:51: Die Kostüme wandern wieder in den Schrank, die Fastenzeit beginnt und es wird wieder ernst da.

00:11:56: Tja, und was ist die Botschaft dahinter?

00:11:58: Dass das Leben aus Hochphasen und Rügenphasen besteht.

00:12:02: Man kann nicht immer nur feiern, aber man kann auch nicht immer nur ernst sein.

00:12:05: Und Fasching erinnert, dass beides wichtig ist.

00:12:07: So, ich hoffe, ihr seid jetzt absolute Faschings-Profis oder Karnevals-Profis.

00:12:12: Ich neige immer dazu Fasching zu sagen, weil ich ja jetzt in dieser Gegend wohne, wo man eben Fasching feiert.

00:12:16: Aber ich bin eigentlich ein Karnevalskind und ich vermisse, ehrlich gesagt, die Karnevalsfeiern aus dem Rheinland.

00:12:22: In diesem Sinne, feiert und verkleidet euch schön.

00:12:25: Wir hören uns in zwei Wochen wieder.

00:12:27: Bis dahin.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.