07. Das Olympia-Attentat: München 1972
Shownotes
In dieser Folge:
- Das Olympia-Attentat von München 1972
- Wer waren die Sportler, die Geiseln wurden?
- Die Täter und ihre Beweggründe
- Hintergründe: Nahostkonflikt, Fatah, Schwarzer September
- Fehler, Folgen und Erinnerung an die Opfer
Quellen: – Zeitungsarchive und Dokumentationen – Interviews mit Zeitzeugen
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Hier gibt es Hintergrundinfos zu den Folgen – und Platz für Fragen und Diskussionen.
Transkript anzeigen
00:00:01: Wissenshelden – der Podcast, der euch spannendes Wissen einfach und verständlich näher bringt.
00:00:08: Sorgfältig recherchiert und alle zwei Wochen eine neue Folge zum Mitdenken.
00:00:13: Hallo meine Lieben und willkommen zurück bei Wissenshelden, eurem Podcast für spannende Geschichten und echtes Wissen, das euch weiterbringt.
00:00:21: Hier geht es wie immer alle zwei Wochen um wahre Themen und Ereignisse, die die Welt verändert haben.
00:00:26: Mal geht es um technische Meisterleistungen oder fatale Fehler, um mutige Entscheidungen, große Hoffnungen oder tragische Wendungen.
00:00:33: Wir sprechen über Katastrophen, Skandale, historische Momente, die bis heute nachwirken.
00:00:39: Also macht es euch bequem und taucht mit mir ein in die heutige Geschichte.
00:00:44: Bevor wir aber beginnen, gibt es heute eine kleine Triggerwarnung.
00:00:47: In der heutigen Folge geht es um einen Überfall mit anschließender Geiselnahme.
00:00:51: Dabei geht es um Gewalt und Tod.
00:00:53: Wenn ihr im Laufe der Folge das Gefühl bekommt, dass euch das Thema zu viel wird, ist es völlig in Ordnung, mal eine Folge auszulassen oder diese Folge gemeinsam mit einer erwachsenen Person oder Person eures Vertrauens zu hören.
00:01:05: In dieser Folge reisen wir zurück nach München ins Jahr twohneinzehntzehntzeig.
00:01:10: Zu den olympischen Spielen, die als heiter und friedlich geplant waren, aber in einer Nacht in ein tödliches Geiseldrama umschlugen.
00:01:17: Wir erzählen heute die Geschichte des Olympiatentats.
00:01:20: Wer waren die Sportler, die dort lebten und träumten?
00:01:23: Wer waren die Männer, die sie angriffen?
00:01:24: Und warum sahen sie Gewalt als einzigen Ausweg?
00:01:27: Dabei schauen wir auch auf die Hintergründe.
00:01:29: Die Gründung Israels, die Flucht vieler Palästinenser, den Nahostkonflikt und die Rolle von Gruppen wie Vater und Schwarzer September.
00:01:37: Am Ende solltet ihr besser verstehen können, was in dieser Nacht wirklich passiert ist, welche Fehler gemacht wurden und warum die Offer bis heute nicht vergessen sind.
00:01:45: Deutschland und die Stadt München hatten sich mit großer Vorfreude und sehr umfangreich auf die Olympischen Spiele vorbereitet.
00:01:51: Die zentralen Sportanlagen mit dem heute noch genutzten Olympiastadion und der Olympiahalle wurden ganz neu gebaut.
00:01:57: Der gesamte Olympiapark wurde innerhalb kürzester Zeit für die Olympischen Spiele hergerichtet.
00:02:01: Es wurde damals auch ein ganzes Dorf errichtet, innerhalb der Stadt, in dem die Sportler untergebracht waren, inklusive Läden, Grünflächen und allem, was man in einem richtigen Dorf so finden würde.
00:02:12: Und die Bundesrepublik Deutschland wollte der Welt ein fröhliches, heiteres Bild zeigen.
00:02:16: Ganz anders als neunzehnhundertsechs und dreißig bei den olympischen Spielen in Berlin.
00:02:21: Diese Spiele damals waren eine große Propagandashow des NS-Regimes gewesen und sollten damals auch dafür genutzt werden, ein fröhliches und modernes Bild Deutschlands zu zeigen und die Realität zu verdecken.
00:02:32: Zu zeitlichen Einordnungen, wir befinden uns neunundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
00:02:55: In der Zeit, als die olympischen Spiele dann wieder in Deutschland dieses Mal in München stattfinden sollten, wollte man der Welt zeigen, dass Deutschland eben nicht mehr so ist.
00:03:03: Dass Deutschland gastfreundlich und ein schönes Land ist.
00:03:06: Doch die olympischen Spiele sollten von einem schrecklichen Terroranschlag überschattet werden.
00:03:11: Am fünften September, zweizehnzehnt, elf Tage nach dem Start, kommt es zu einem Überfall auf die israelische Mannschaft, bei dem am Ende siebzehn Menschen starben.
00:03:21: Dafür möchte ich zeitlich kurz ein bisschen zurückgehen, um den na Ostkonflikt und die Terrororganisation Schwarzer September und deren Entstehung ein bisschen zu erklären.
00:03:31: Nach dem Zweiten Weltkrieg, also nach der Shoah oder dem Holocaust, bei dem systematisch sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet wurden, wurde die Notwendigkeit einer jüdischen Heimstätte dringender denn je.
00:03:43: Die kurz zuvor gegründete UNO, das sind die Feind-Nationen, entscheidet, dass das bis dahin britisch verwaltete Gebiet Palästina in einen jüdischen und Arabischen Teil geteilt werden soll.
00:03:57: Dies führt aber unmittelbar zu Konflikten, weil die Arabischen Staaten und die Palästinenser die Teilung als ungericht und illegal betrachten und sie diese Teilung entsprechend ablehnen.
00:04:06: Nach dieser Aufteilung kam es daher im Nahen Osten zu Anschlägen auf Israel, und darauf folgenden Unruhen zwischen Israel und arabischen Staaten sowie palästinensischen Gruppen.
00:04:16: Der Nahe Osten, kurz zur Erläuterung, ist ein Sammelbegriff für mehrere Länder im östlichen Mittelmeerraum und auf der arabischen Halbinsel.
00:04:23: Hunderttausende Palästinenser mussten damals zu ihrer eigenen Sicherheit fliehen und lebten teilweise unter schlechten Bedingungen in Flüchtlingslagern.
00:04:30: Radikale Gruppen wollten durch Anschläge internationale Aufmerksamkeit erzwingen und dadurch Druck auf Israel ausübeln.
00:04:37: Die Atemtäter aus unserem heutigen Fall gehörten zur palästinensischen Terrorgruppe schwarzer September, die aus der Vaterbewegung herausgegründet wurde.
00:04:44: Und die Vaterbewegung wiederum wurde gegründet mit dem Ziel des bewaffneten Kampfes gegen Israel, also die Befreiung der Palästinenser.
00:04:51: Beweggrund des Anschlags war es, inhaftierte palästinensische Gefangene, die es in Israel gab und einige Gefangene in Deutschland, frei zu pressen.
00:04:58: Der Anschlag sollte gleichzeitig Israel treffen, aber auch die politischen Ziele und Forderungen der Palästinenser bei einem weltweiten Publikum sichtbar machen.
00:05:06: Aus der Sicht der Gruppe ging es um grundlegende Rechte.
00:05:09: Also sie wollten selbstbestimmt in einem eigenen Staat leben.
00:05:12: Sie wollten, dass jeder Palästinenser, der vertrieben wurde, mit Familie zurück nach Hause durfte.
00:05:16: Aber vor allem verlangten sie das Ende der israelischen Kontrolle über ihre Gebiete.
00:05:22: Und es ist jetzt ganz wichtig, eins klar zu benennen.
00:05:24: Auch wenn diese Gruppen ihre Ziele als Kampf um grundlegende Rechte verstanden, rechtfertigt das in keiner Weise diese Art von Gewalt gegen Unbeteiligte.
00:05:32: Der Anschlag traf Sportleid, die für den olympischen Gedankungen von Frieden, Fairness und internationaler Verständigung standen.
00:05:39: Und widersprach damit, allem, wofür die olympischen Spiele eigentlich gedacht sind.
00:05:44: Die olympischen Spiele in München begannen Ende August.
00:05:46: neunzehntundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhundhund.
00:06:00: Die Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt waren im Olympischen Dorf untergebracht, von dem ich vorher ja schon erzählt habe.
00:06:06: Das funktionierte wie eine kleine Stadt, in der bis zu zehntausend Athletinnen und Athleten lebten.
00:06:11: Und für etwa zwei bis drei Wochen sollten die da zusammen wohnen.
00:06:14: Auch das israelische Team war in diesem Dorf untergebracht.
00:06:17: Die männlichen Sportler wohnten in der Connolly Straße einund dreißig.
00:06:21: Und weil die deutsche Politik damals ja bewusst nicht militärisch wirken wollte und Bilder vermeiden wollte, die an die NS-Zeit erinnerten, waren Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen bewusst locker gehalten.
00:06:31: Das habe ich eben ja schon mal erwähnt.
00:06:33: Das olympische Dorf war daher nur teilweise umzäunt und die Zäune waren maximal zwei Meter hoch und auch leicht zu überwinden.
00:06:39: Es gab offene Eingänge, kaum Kontrollen und sogar Besucher durften das Gelände betreten.
00:06:44: All das erleichterte es, den Attentätern Waffen nahezu ungehindert ins olympische Dorf zu schmuggeln.
00:06:50: Und damit sind wir auch schon bei der Nacht des Überfalls angekommen.
00:06:54: In der Nacht zum fünften September, neunzehnhundert zwanzig, elf Tage nach dem offiziellen Beginn der olympischen Spiele, klettern gegen vier Uhr morgens acht bewaffnete Männer der palästinensischen Terrorgruppe Schwarzer September mit Sporttaschen über einen Zaun des olympischen Dorfes.
00:07:10: Sie werden dabei sogar gesehen, aber man hält sie für Sportler.
00:07:13: Was man nicht sieht, in ihren Taschen befinden sich Sturmgewehre, Pistolen und Handgranaten.
00:07:18: Die Männer gehen zielstrebig zum Quartier der israelischen Mannschaft.
00:07:22: Die Unterkünfte befinden sich im Erdgeschoss und im ersten Stock.
00:07:25: Kurz nach vier Uhr morgens betreten die Terroristen das Gebäude durch die unverschlossene Haustür.
00:07:30: Fast so, als wären sie eingeladene Gäste.
00:07:33: Im Wohnzimmer treffen sie zuerst auf den Trainer Mosche Weinberg.
00:07:36: Er schreit sofort, um die anderen Sportler zu warnen und versucht sich zu wehren.
00:07:40: Er greift eine der Terroristen an, wird aber sofort angeschossen.
00:07:44: Und bei dem Versuch zu fliehen, wird er erneut getroffen und bricht schließlich zusammen.
00:07:49: Kurz darauf treffen die Terroristen auf Josef Romano einen Gewichtheber.
00:07:53: Auch er versucht sich zu verteidigen, aber er hat keine Chance.
00:07:56: Er wird angeschossen und stirbt später an seinen Verletzungen.
00:07:59: Ein Arzt darf nicht zu ihm, obwohl ihm vielleicht noch hätte geholfen werden können.
00:08:03: Auf den genauen Ablauf dieser Nacht kommen wir später noch mal zurück.
00:08:06: In dieser Nacht nehmen die Attentäter neun israelische Sportler als Geiseln.
00:08:09: Vier weitere Teamiglieder, die sich ebenfalls in der Unterkunft befunden haben, können durch Fenster oder den Keller fliehen und sich in Sicherheit bringen.
00:08:16: Da Sportler aus anderen Unterkünften Schreie und Schüsse hören, rufen sie die Polizei, die sofort Streifenwagen in zu Olympische Dorf schickt.
00:08:24: Dort treffen die Einsatzkräfte auf andere Sportler und Trainer, die berichten, dass es zu Schüssen gekommen ist und die Polizei umzingelt das Haus.
00:08:31: Die Terroristen zeigen sich um fünf Uhr dreißig auf dem Balkon der Unterkunft und rufen von dort aus den Einsatzkräften ihre Forderungen zu.
00:08:38: Spätestens jetzt wird hier bewusst, dass es sich um eine Geiselname handelt.
00:08:42: Später übergeben sie dem Verhandlungsführer der Behörden eine Liste mit allen Namen aller Gefangenen, die freigelassen werden sollen, gefordert wie die Freilassung von zweihundertzweiunddreißig palästinensischen und anderen Gefangenen aus israelischen Gefängnissen sowie von zwei deutschen inhaftierten Linksterroristen.
00:08:58: Andreas Bader und Ulrike Meinhof, die beiden sind die bekanntesten Mitglieder der ehemaligen RAF.
00:09:04: Zu diesen beiden gibt es auch wahnsinnig viel zu erzählen, genau wie zu der RAF.
00:09:08: Und ich habe mir vorgenommen, dazu eine separate Folge zu machen.
00:09:12: Die Terroristen drohen jetzt Geiseln zu erschießen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.
00:09:17: Der Münchner Polizeipräsident, der Bayerische Innenminister und der Bundesinnenminister treffen ein und bilden ein Krisenteam.
00:09:24: Die deutschen Behörden beginnen zu verhandeln und Israel wird sofort kontaktiert.
00:09:28: Israel lehnt eine Freilassung der Gefangenen aber sofort ab.
00:09:31: Man werde nicht mit Terroristen verhandeln, da befürchtet wird, dass sich das Land sonst für zukünftige Ereignisse erpressbar macht.
00:09:38: Israel bietet jedoch militärische Unterstützung durch Elite-Einheiten des Mossad an.
00:09:43: Der Mossad ist der israelische Geheimdienst und die Agenten verfügen über eine spezielle und intensive Ausbildung und sind auch für die Befreiung von Geiseln trainiert.
00:09:52: Sie könnten innerhalb weniger Stunden in München sein, die deutschen Behörden lehnen dieses Angebot aber ab.
00:09:57: Sie sind der Meinung, die Situation selbst unter Kontrolle zu haben, später wird sich dies als tragischer Fehler herausstellen.
00:10:04: Das Krisenteam bietet sich sogar selbst als Austausch für die Geiseln an, was die Terroristen aber ablehnen.
00:10:10: An diesem Angebot sieht man vielleicht ein bisschen die Verzweiflung, mit der man versucht, die israelischen Geiseln frei zu bekommen, nachdem Israel den Heftlings-Austausch abgelehnt hatte.
00:10:19: Die Spiele laufen zunächst trotz des Anschlags weiter.
00:10:22: Erst am Nachmittag werden sie offiziell unterbrochen.
00:10:25: Um neun Uhr dreißig am Morgen plant die bayerische Polizei dann einen Sturm auf die Terroristen.
00:10:30: Das ist ungefähr fünf Stunden nach dem Eindringen in die Unterkunft und nachdem man hin und her verhandelt hat.
00:10:37: Polizisten klettern auf das Dach des Hauses, werden dabei aber live im Fernsehen übertragen.
00:10:42: Die Terroristen sehen das über die Fernsehbilder und feuern sofort Warnschüsse ab.
00:10:46: Sie drohen die Geiseln zu erschießen, wenn sich die Polizisten nicht sofort zurückziehen.
00:10:51: Der Einsatz wird schließlich abgebrochen, aber bereits hier wird sichtbar, dass die Sicherheitskräfte auf diese Situation einfach nicht ausreichend vorbereitet waren.
00:10:59: Was heute für uns unvorstellbar erscheint, ist aber die Realität.
00:11:03: Hier wird ganz besonders deutlich, es gibt keine Spezialeinheiten, es gibt keine Antiterror-Taktiken und es gibt auch keinen abgestimmten Einsatzplan.
00:11:11: Die Terroristen fordern nun, mit den Geiseln nach Ägypten ausgeflogen zu werden.
00:11:16: Und am Abend willigt die Bundesregierung diesem Vorhaben ein.
00:11:19: Man erklärt sich damit einverstanden, die Terroristen und die Geiseln zu einem Flugplatz in Fürstenfeld-Bruck, westlich von München zu bringen.
00:11:27: Und diese scheinbare Einigung wird getroffen, um Zeit zu gewinnen und eine Möglichkeit zu finden, die Terroristen von den Geiseln zu trennen.
00:11:34: Ein Ansturm auf die Terroristen im olympischen Dorf wird inzwischen als zu riskant eingeschätzt.
00:11:39: Die Geiselnehmer hatten in der Zwischenzeit schon mehrere Ultimaten gesetzt.
00:11:43: Zunächst zwölf Uhr, danach fünfzehn Uhr, dann siebzehn Uhr und schließlich einundzwanzig Uhr.
00:11:48: Letztlich fordern sie aber gegen zwanzig Uhr dreißig freies Geleit per Flugzeug nach Cairo.
00:11:53: Die Geiseln und die Geiselnemmer sollen mit Hubschrauber nach Fürstenfeld-Brücke flogen werden, wo eine Boeing sieben zwei sieben auf sie wartet.
00:12:00: Was die Geiseln nicht wissen, am Flughafen sollen Scharfschützen positioniert werden, um die Terroristen auszuschalten.
00:12:05: Der Bundesinnenminister Hans Dieter Genscher und der Bürgermeister des olympischen Dorfes Walter Tröger betreten das Apartment und sprechen mit den Geiseln und vergewissern sich, dass diese noch am Leben sind.
00:12:17: Die Presse ist zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht vom Gelände entfernt worden, weshalb die Terroristen die Maßnahmen der Polizei weiterhin live im Fernsehen mitverfolgen können.
00:12:25: Gegen zweiundzwanzig Uhr besteigen die acht Terroristen und neun Geiseln einen Bus in der Tiefgarage, der sie zu zwei Hubschraubern bringt und diese fliegen sie zum Militärflughafen in Fürstenfeldbrück.
00:12:35: Hier steht die Boeing sieben zwei sieben bereit.
00:12:38: Die Triebwerke laufen.
00:12:39: Und hierzu habe ich in meinen Recherchen ganz unterschiedliche Aussagen gefunden.
00:12:44: Was ich aber am häufigsten gefunden habe, ist, dass sich an Bord zwei deutsche Polizisten befinden, die sich als Flugzeugcrew verkleidet haben.
00:12:52: Sie sind unbewaffnet, sie tragen keine Schutzwesten und sie haben damit auch keine Möglichkeit, sich irgendwie zu verteidigen.
00:12:58: Fünf Polizeischützen werden auf Dächern und entlang des Rollfelds positioniert.
00:13:03: Keiner von ihnen ist aber wirklich für ein solches Szenario ausgebildet.
00:13:07: Sie haben keine Funkverbindung untereinander und auch sie tragen keine schusssicheren Westen.
00:13:11: Als zweite Terroristen bewaffnet das Flugzeugbetreten geraten die zwei Polizisten in Panik und fliehen.
00:13:18: Die Terroristen erkennen, dass irgendwas nicht stimmt.
00:13:20: Sie kehren zu den Hubschraubern zurück und in dem Moment fällt der erste Schuss.
00:13:24: Und was folgt ist ein chaotisches Gefecht.
00:13:27: Die Terroristen feuern mit Sturmgewehren, auch die Polizei schießt, teils im Dauerfeuer.
00:13:33: Niemand hat einen Überblick, wer wirklich auf wen schießt und niemand koordiniert den Einsatz.
00:13:37: Gegen Mitternacht eskaliert die Situation dann endgültig.
00:13:40: Einer der Terroristen eröffnet das Feuer auf die gefesselten Geisen in dem Hubschrauber.
00:13:44: Er wirft eine Handgranate in die Kabine und alle in Sassensterben sofort.
00:13:49: Im zweiten Hubschrauber werden die verbleibenden Geiseln ebenfalls erschossen.
00:13:52: Am Ende dieser Nacht sind alle neuen israelischen Geiseln tot, ebenso der deutsche Polizei-Obermeister Anton Fliegerbauer.
00:14:00: Fünf der acht Terroristen sterben ebenfalls.
00:14:03: Das Fazit der Nacht.
00:14:05: Insgesamt wurden elf israelische Teamekleder getötet, die bereits erwähnten Mosche Weinberg und Josef Romano sowie neun weitere, die in Fürstenfeldbrück starben.
00:14:15: Zu den später getöteten Geiseln gehören unter anderem die Gewichtheber David Berger und C.F.
00:14:20: Friedmann, der Kampfrichter Josef Gutfreund, der Trainer André Spitzer, Armitzul Shapira, ein Leichtathlet, Kehat Shor, der Ringer Marc Slavin sowie der Kampfrichter Jakov Springer.
00:14:35: Diese Menschen waren keine Soldaten, sondern einfach Sportler oder Trainer, die bei einem friedlichen Wettkampf antreten wollten.
00:14:41: Und zusätzlich starb, wie ich eben schon erwähnt hatte, der Polizist Anton Fliegerbauer.
00:14:49: Für die Bundesrepublik Deutschland markiert dieser Vorfall einen Wendepunkt.
00:14:53: Denn erst nach diesem Desaster und nach einem weiteren Terroranschlag erkennt man wirklich, dass man auf eine solche Form von Terror absolut nicht vorbereitet war.
00:15:02: Und dass der Preis, den man dafür gezahlt hat, unermesslich war.
00:15:05: Am Tag nach dem Anschlag hielt ja IOC Präsident eine Trauerfeier im Olympia-Stadion ab, anschließend entschied es IOC, die Spiele aber fortzusetzen, was bis heute sehr, sehr stark umstritten ist.
00:15:16: Viele Menschen, vor allem in Israel, empfanden das als falsch und respektlos, dass die Spiele so schnell einfach weiter liefen.
00:15:22: Drei Attentäter hatten den Einsatz ja überlebt und wurden von Deutschland festgenommen.
00:15:27: Aber schon im Oktober.
00:15:28: twohundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
00:15:37: Die Bundesrepublik ließ daraufhin, die drei Attentäter im Austausch frei, was international heftige Kritik auslöste.
00:15:45: Israel reagiert daraufhin mit einer Geheimoperation, die hieß Zorn Gottes.
00:15:49: Dabei hat der Geheimdienst Mossade die Beteiligten des Anschlags in verschiedenen Ländern aufgespürt und getötet.
00:15:56: Das alles mutmaßlich, weil es es nicht offiziell belegt.
00:15:59: International führte das Attentat dazu, dass Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen komplett überarbeitet wurden.
00:16:06: Spezialeinheiten wie die GSG-Neuen wurden nach einem weiteren Anschlag in den letzten Jahren als direkte Lehre aus früheren Fehlern aufgebaut.
00:16:14: Diese GSG-Neuen kennen wir heute.
00:16:16: Das ist eine elite Spezialeinheit zur Bekämpfung von Terrorismus, schwerer Kriminalität und Geiselnamen.
00:16:23: Über Jahrzehnte blieb umstritten, wie gut deutsche Behörden auf diesen Vorfall vorbereitet waren.
00:16:30: Ob vielleicht Warnungen ignoriert wurden und wer die Hauptverantwortung für das Scheitern in Fürstenfeld brug trug.
00:16:36: Angehörige der Opfer war von Deutschland mangelnde Entschädigungen, fehlende Entschuldigungen und schlechte Informationspolitik vor.
00:16:43: Erst im Jahr twenty-zweiundzwanzig wurde eine neue Entschädigungsvereinbarung mit den Hinterbliebenen getroffen.
00:16:48: Unmittelbar nach dem Attentat gab es aber erst mal keine offiziellen Schuldeingeständnisse.
00:16:54: Der Bundeskanzler und der Ministerpräsident damals haben Rücktritte abgelehnt und haben auch Fehler zurückgewiesen, haben lediglich neunundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
00:17:16: In München erinnern mehrere Gedenkorte an das Attentat.
00:17:19: Unter anderem eine Gedenkstätte im Olympia-Park, die an die elf israelischen Opfer und den getöteten Polizisten erinnern.
00:17:25: Ich weiß, manche Geschichten enden nicht einfach und sie wirken nach, aber das ist auch in Ordnung.
00:17:30: Ich denke, es ist immer wichtig, sich einen Gespräch-Partner zu suchen und das gehörte vielleicht ein bisschen aufzuarbeiten.
00:17:37: Und ich hoffe, ihr konntet nicht nur etwas Neues lernen, sondern auch verstehen, warum dieses Ereignis bis heute eine Rolle spielt.
00:17:43: Ich finde das immer ganz wichtig.
00:17:45: Dinge zu thematisieren, damit sie eben nicht nochmal passieren können.
00:17:48: Und damit sind wir aber auch schon am Ende dieser Folge von Wissenzelden angekommen.
00:17:52: Wenn euch die Folge gefallen hat, dann hört gern auch in die anderen Episoden rein und teilt den Podcast mit Menschen, die auch neugierig auf Wissen sind.
00:18:00: Danke, dass ihr dabei wart und denkt dran.
00:18:02: Wissen macht stark.
00:18:04: Bis dahin.
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