05. Richard Oetker: Die spektakuläre Entführung von 1976

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge sprechen wir über eine reale Entführung. Dabei geht es unter anderem um Gewalt, Bedrohung und psychische Belastung.

In dieser Folge:

  • Die Entführung von Richard Oetker im Jahr 1976
  • Ablauf der Entführung und Forderungen des Täters
  • Ermittlungen der Polizei und Reaktionen der Öffentlichkeit
  • Hintergründe und Folgen des Falls

Quellen:

  • Zeitungsarchive von 1976
  • Dokumentationen zum Entführungsfall Richard Oetker
  • Droetker.de
  • Welt.de
  • Wdr.de

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Hier gibt es Hintergrundinfos zu den Folgen – und Platz für Fragen und Diskussionen.

Transkript anzeigen

00:00:04: Hey ihr Lieben und willkommen zurück bei Wissens Helden, eurem Podcast für spannende Geschichten und Wissen, das euch weiterbringt.

00:00:10: Schön, dass ihr heute wieder dabei seid, es geht wie immer um ein spannendes Thema aus der Welt und der Geschichte.

00:00:15: Und vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass die letzten Folgen vierzehntägig rausgekommen sind.

00:00:20: Das war erst mal dem geschuldet, dass ich die Grippe hatte und so gar nicht aufnehmen konnte, aber ich konnte dadurch auch länger und intensiver recherchieren, was ich wirklich gut fand, weshalb ich das gerne mal weiter mit dem zwei Wochentakt ausprobieren möchte.

00:00:31: Dadurch konnte ich mich auf diese Folge auch viel besser vorbereiten.

00:00:35: Wie immer haben wir die Folge mit allen wichtigen Informationen gefüllt, aber nicht ausschweifend und auch nicht zu lang, damit es eben nicht langweilig wird.

00:00:42: Wir sprechen nämlich über eine der spektakulärsten Entführungsfälle in der deutschen Nachkriegszeit, die Entführung von Richard Oetker im Jahr neunzehnhundertsechsundsiebzig.

00:00:50: Und an dieser Stelle gibt es eine Triggerwarnung.

00:00:53: In dieser Folge sprechen wir eben über eine reale Entführung.

00:00:55: Dabei geht es unter anderem um Gewalt, Bedrohung und psychische Belastung.

00:01:00: Wenn die solche Themen unangenehm sind oder dich belasten könnten, überlege dir bitte, ob du diese Folge anhören möchtest oder höre sie gemeinsam mit einer vertrauten Person und denk dran, du kannst jederzeit pausieren oder abschalten.

00:01:11: Dann legen wir mal los.

00:01:13: Um den Hintergrund ein bisschen besser zu verstehen und um zu verstehen, wieso gerade Richard Ötka Opfer einer Entführung wurde, müssen wir erstmal ein paar Jahre zurückspulen, denn Richard Ötka war kein Zufallsopfer.

00:01:24: Und ihr vermutet wahrscheinlich schon richtig, da der Name Ötka euch sicher nicht unbekannt ist, Richard Ötka war erbe eines der bedeutendsten Familienkonzerne Europas.

00:01:33: Alles begann im Jahr eighteenhundertneinundneinzig, also seventy-fünf Jahre vor der Entführung, in einer Apotheke, denn da erfüllte sich Dr.

00:01:40: August Ötka, der war damals Apotheker, und der Urgroßvater von Richard Ötka einen Lebenstraum und er warb die aschhaftische Apotheke im Bielefeld.

00:01:49: Und er entwickelte damals das Backpulver weiter, er packte das in praktische kleine Zehn Gramm-Tütchen, genau angepasst an ein halbes Kilo Mehl und revolutionierte damit das Backen.

00:01:59: Er hat natürlich nicht nur das Backpulver veräußert, aber das ist das, was zum absoluten Erfolgsschlager schlechthin wurde.

00:02:04: Und heute ist dieses Pulver aus den Küchen gar nicht mehr wegzudenken, aber damit hatte er es damals nicht belassen.

00:02:10: Schnell erweiterte er seinen Sortiment um Vanillezucker, Puddingpulver und Einkochhilfen.

00:02:14: Alles aus heutiger Sicht simple Zutaten, damals aber ein absoluter Gamechanger, weil es die Zubereitung von Speisen insbesondere Gebäck sehr erleichterte.

00:02:23: Und der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten.

00:02:25: Irgendwann war das Unternehmen so groß, dass es in ein neues Fabrikgebäude umziehen musste.

00:02:30: Es kam dann Niederlassung im Ausland dazu und das Unternehmen wuchs über die nächsten Jahrzehnte stetig weiter.

00:02:35: Das Sortiment wurde auch immer wieder erweitert.

00:02:37: Es gibt z.B.

00:02:38: Tiefkühlpizzen, Backmischungen und Serialien.

00:02:41: Und heute gehört das Unternehmen zur Ötkark Gruppe, die noch weitere Bereiche in der Brauerei sparte, z.B.

00:02:46: oder ein Lieferdienst umfasst.

00:02:48: Und der Vater von Richard, der hieß Rudolf August Ötkar, übernahm das Unternehmen im Jahr nineteenhundertvierundvierzig mit achtundzwanzig Jahren.

00:02:55: Dr.

00:02:56: Oetker bleibt also immer ein Familienunternehmen.

00:02:58: Jetzt habe ich ein bisschen weiter ausgeholt, aber ich möchte damit zeigen, dass dieses Unternehmen sehr erfolgreich ist und die Familie dementsprechend, wie ihr euch denken könnt, sehr wohlhabend.

00:03:06: Womit wir nun zu Richard Oetker kommen, denn der wird als Spross eines des erfolgreichsten Unternehmers damals zur Zielscheibe.

00:03:12: Er ist damals vor um zwanzig Jahre jung und studiert Bau- und Agrarwissenschaften am Campus der Universität Weinsteffern in Freising.

00:03:19: Das ist ganz in der Nähe von München.

00:03:21: Er ist frisch verheiratet damals, seine Frau heißt Marion, hört sich erst mal so ein bisschen jung an, mit fünfundzwanzig, frisch verheiratet, aber wir sind im Jahr nineteenhundertsechsundsechzig, also vor rund fünfzig Jahren und das ist damals absolut nicht ungewöhnlich.

00:03:34: Am Abend des vierzehnten Dezember neunzehundertsechsundsechzig, also in der Vorweihnachtszeit, kommt Richard Oetker gerade aus einer Abendvorlesung.

00:03:41: Es ist typischerweise kalt und er ist schnell ein Schrittes auf dem Weg zu seinem Auto.

00:03:46: Er ist damals allein ohne seine Kommiliton auf dem Parkplatz, weil er früher aus dem Seminar gegangen ist.

00:03:51: Er befindet sich damals nämlich schon in seinem zweiten Studium.

00:03:54: Vorab hatte er schon einen Brauereistudium abgeschlossen und hat zum Zeitpunkt seiner Entführung gerade mit dem zweiten Studium des Landwirtschaftsstudiums begonnen.

00:04:01: Und das Seminar, in dem er sich an dem Abend befindet, ist ein Grundkurs für Botanik, welches er in dem ersten Studium auch schon hatte.

00:04:08: Er erzählte später an einem Interview, dass er die Materie einfach schon kannte, weshalb er früher ging.

00:04:13: Er geht also raus auf diesen Parkplatz und ihm fällt gleich auf, dass ein Kastenwagen schräg und sehr eng an seinem Auto an der Fahrerseite geparkt steht.

00:04:20: Laut eigener Aussage bekommt er daraufhin ein mulmiges Gefühl.

00:04:23: Er stutzt jetzt kurz und will zurückgehen, um dann doch auf seine Kommiliton zu warten.

00:04:28: In dem Moment, in dem er sich dann umdrehen will, steht ihm ein Mann mit einer Schweinsmaske und einer Pistole gegenüber.

00:04:33: Der sagt zu ihm, das Ding macht nur Klack.

00:04:36: Und deutet Richard an, dass er sich zu diesem Kastenwagen bewegen soll.

00:04:40: Er redet auch nicht so richtig mit ihm, ergibt ihm nur Anweisungen wie los, vorwärts.

00:04:45: Und was er damit meint, dass das Ding nur klack macht, ist, dass die Pistole einen Schalldämpfer hat.

00:04:50: Die hält er ihm die ganze Zeit an den Rücken, sodass Richard eigentlich keine andere Wahl hat als zu tun, was der Mann ihm sagt.

00:04:56: Im Kastenwagen befindet sich eine Holzkiste, in die er Richard zwingt, sich reinzulegen.

00:05:01: Und bei meinen Recherchen habe ich zu dieser Holzkiste immer wieder die Beschreibung sarkähnlich gelesen.

00:05:06: Das hört sich schon sehr unschön an.

00:05:08: Diese Kiste ist ein Meter forty-fünf lang und ca.

00:05:11: siebzig Zentimeter breit.

00:05:13: Und dass diese Kiste so klein ist, das bekommt später eine tragische Bedeutung, denn man muss dazusagen, dass Richard Ötka ein Meter ninety-vier groß und stattlich gebaut ist.

00:05:22: Er kann sich also nur in Embryo-Haltung, also mit angezogenen Armen und Beinen in diese Kiste legen und kann sich danach auch nicht mehr wirklich viel bewegen.

00:05:30: Und zusätzlich zu dem Umstand, dass die Kiste einfach viel zu klein für Richard ist, ist sie mit einem elektronischen Mechanismus konstruiert, der Richard über Handschellen Stromschläge versetzen kann für den Fall, dass er zu Leute Geräusche in Form von Rufen oder Schreien machen würde.

00:05:44: Diese Vorkehrung ist ein sogenannte Akkustomat, der ab einer bestimmten Lautstärke aktiv wird.

00:05:49: Denn Führer will damit gewährleisten, dass Richard sich ihm fügt und nicht zu laut ist.

00:05:53: Und diese Vorrichtung wird Richard noch zum Verhängnis werden.

00:05:55: Dazu kommen wir gleich noch einmal.

00:05:57: Es muss nur klar sein, dass das kein Foltermechanismus ist, weil der Entführer wirklich nur damit erreichen möchte, dass Richard sich nicht durch laute Schreihe bemerkbar machen möchte.

00:06:06: Und nun zwingt der Entführer Richard sich selbst mit den Handschellen zu fesseln und später bekommt er auch noch Fußfesseln.

00:06:12: Und beide Fesseln waren mit diesem Stromkreis verbunden.

00:06:16: Zusätzlich gibt es eine Gegensprechanlage in der Kiste, damit der Entführer mit Richard kommunizieren kann.

00:06:21: Der Entführer fährt jetzt mit Richard vom Parkplatz runter in Richtung München.

00:06:25: Später wird dann rekonstruiert, dass der Entführer Richard in eine Wellblechhütte in Pasing, eine Münchner Stadtteil gefahren ist und ihn dort festhielt.

00:06:32: Diese Hütte wird sonst als Autowerkstatt genutzt und Richard bleibt nun in dem Kastenwagen in der Kiste gefangen.

00:06:39: An dem Abend verabschiedet sich der Entführer auf von Richard und sagt, dass sie beide dann jetzt erst mal schlafen müssen.

00:06:44: Der Entführer kontaktiert nun die Familie von Richard und fordert eine Lösegeldzahlung von sage und schreibe einundzwanzig Millionen D-Mark.

00:06:51: Das war damals eine der höchsten jemals in Deutschland geforderten Lösegeldzahlungen.

00:06:55: und dabei droht er immer wieder mit Konsequenzen für Richard, wenn sich die Familie nicht an seine Vorgaben hält.

00:07:00: Die Familie entscheidet sich dann, gemeinsam mit der Polizei, die eingeschaltet wurde, auf die Forderung einzugehen, um für Richard kein Risiko einzugehen.

00:07:08: Es beginnt dann auch eine groß angelegte Fahndung, die aber zur Übergabe stark zurückgefahren wird, um Richard nicht weiter in Gefahr zu bringen.

00:07:15: Am nächsten Morgen möchte der Entführer nach Richard sehen und es kommt jetzt zu einem ganz dramatischen Zwischenfall.

00:07:20: Als der Entführer die Garagentür dieser Hütte öffnet, schrammt die Tür das Dach des Kastenwagens und verursacht damit ein so lautes Geräusch.

00:07:28: dass er unbeabsichtigt den Strommechanismus auslöst.

00:07:31: und Richard bekommt jetzt einen so starken Stromstoß, dass er sich vor Schmerzen verkrampft, weil er sich in dieser Kiste ja gar nicht bewegen kann.

00:07:39: Und was noch verschlimmert hinzukommt, ist, dass Richard vor Schmerzen schreit, was den Strommechanismus dann auch wieder auslöst.

00:07:45: Er bekommt also wiederholt Stromstöße.

00:07:47: Und weil er sich gar nicht bewegen kann, denn seine Beine würden quasi ausschlagen durch diese Stromstöße, Verkrampfen sich seine Muskeln und er erleidet Brüche beider Oberschenkelhelse, zweigebrochene Brustwirbel und einen Lungen-Kollaps.

00:08:02: Er bekommt zusätzlich schwere Herzrhythmusstörungen und es ist so schlimm, dass Richard dabei fast stirbt.

00:08:07: Richard beschreibt dem Moment später so, dass sein ganzer Körper gebet hat, er hatte extreme Schmerzen und Todesangst.

00:08:14: Und wenn ihr jetzt richtig aufgepasst habt, wisst ihr spätestens jetzt, dass Richard seine Entführung überlebt hat.

00:08:19: Und der Entführer scheint jetzt zu merken, dass die Lösegeldübergabe schnell und vor allem zeitnah erfolgen muss.

00:08:24: Er hatte das allerdings auch von vornherein so geplant, dass Richard nicht lange in seiner Gefangenschaft bleiben sollte.

00:08:29: Der Entführer hat die Übergabe als eine Anreihung unterschiedlicher Stationen in München wie eine Art Schnitzeljagd geplant.

00:08:35: Er wollte damit sicherstellen, dass die Übergabe nicht polizeilich überwacht wird oder zumindest wollte er das erschweren.

00:08:41: Er hat auch ganz klare Vorgaben gemacht.

00:08:43: Es sollte ein Aluminiumkoffer sein, den hat er selbst in einem Schließfach hinterlegt, damit er abgeholt werden konnte.

00:08:49: Das Lösegeld in Höhe von einundzwanzig Millionen D-Mark wurde auch danach ausgewählt.

00:08:54: Es passt nämlich genau, einundzwanzig Millionen D-Mark in tausend D-Markscheinen in diesem Koffer.

00:08:59: Richards Bruder August wird damals ausgewählt, das Lösegeld zu übergeben und wird jetzt von einem Ort zum nächsten geschickt.

00:09:05: Das sah dann so aus, dass August an einen Ort fahren sollte, ein Hotel oder ein Einkaufszentrum.

00:09:10: Da sollte er an einer bestimmten Stelle warten und entweder über eine Telefonzelle oder über einen hinterlegten Hinweis auf einem Zettel.

00:09:16: Zum Beispiel bekam er dann die Anweisung für den Nächsten Ort.

00:09:19: Denn nicht vergessen, es ist es jahr, da gibt es noch keine Handys, aber überall Telefonzellen.

00:09:24: Und die Endstation war der Karlsplatz oder auch Stachhaus genannt in München.

00:09:28: Das war damals auch schon ein Zentrum über mehrere Stockwerke mit Ladenebenen, einer S-Bahnebene und technischen Ebenen.

00:09:34: Und der Entführer hat sich wirklich über jeden Schritt intensiv Gedanken gemacht, so auch über die Endstation.

00:09:40: Er hat die Stelle nämlich ganz bewusst ausgesucht.

00:09:42: Im Stachus gab es diverse Stahltüren, die sich nur zu einer Seite öffnen ließen, nämlich von Innenräumen zum Stachus hin.

00:09:48: Das waren zum Beispiel Räume für Technik oder Lagerräume.

00:09:52: Da konnte man als jemand, der einkaufen geht, nicht einfach reingehen.

00:09:55: Und dort lozt der Anführer August hin, der den Koffer mit dem Lösegeld an dieser Stalltür ablegen soll, so dass der Entführer nur noch die Tür öffnen und nach der Tasche greifen muss.

00:10:03: Dann schließt er die Tür und man konnte nicht mehr hinter ihm her, weil die Tür sich ihm nicht von dieser Seite öffnen ließ.

00:10:08: Dann kontaktiert der Inführer die Familie von Richard und teilt ihnen mit, wo Richard zu finden ist.

00:10:13: Ich konnte in den Recherchen nirgends finden, wen genau er kontaktiert hat.

00:10:17: Aber seine damalige Frau Marion findet Richard schwer verletzt in diesem Fahrzeug und kontaktiert dann den Rettungsdienst.

00:10:24: Richard hat immer noch starke Schmerzen und kann sich nicht selbst fortbewegen.

00:10:27: Er hat deshalb in dem Fahrzeug ausgehart, in der Hoffnung, bald gefunden zu werden.

00:10:31: Nach seiner Freilassung wird Richard sofort mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus in München gebracht und er schwebt mehrere Tage in Lebensgefahr.

00:10:38: Ich wiederhole nochmal seine Verletzung.

00:10:40: Er hatte beide Oberschenkelhalsknochen gebrochen, zwei gebrochene Brustwirbel, einen Lungen-Kollaps und Herzrhythmusstörungen.

00:10:47: Er bleibt daraufhin monatelang in stationärer Behandlung.

00:10:50: Eine Sache, die er durchmachen muss währenddessen, ist, dass ihm die Knie für einen Streckverband durchgebohrt werden müssen.

00:10:56: Und weil seine Lunge so in Mitleidenschaft gezogen wurde, konnte man das nur ohne Narkose machen.

00:11:00: aber er also wach und erzählt in einem späteren Interviewwoch darüber.

00:11:04: Insgesamt muss Richard drei Monate im Krankenhaus verbringen, anschließend in eine Reha und auch mehrere Jahre nach der Entführung braucht er weiterhin intensive Reha-Maßnahmen.

00:11:13: Er kann sehr lange nur mit Gehilfen laufen.

00:11:15: Bis zu zwanzig Jahre nach der Entführung muss er sich immer wieder Operationen unterziehen und er bleibt für den Rest seines Lebens Gehbehindert.

00:11:23: Richard hat also körperlich sehr stark unter der Entführung gelitten.

00:11:25: Und umso mehr beeindruckt mich daher wie Richard im Nachgang der Entführung, trotz des Umstandes, dass er körperlich von den Rest seines Lebens unter den Folgen leiden würde, damit umgegangen ist.

00:11:35: Er hat nämlich nie den Mut verloren und ist immer positiv geblieben.

00:11:38: Er hat selbst auch immer wieder betont, dass er ein Mensch mit ausgeprägtem Optimismus und Humor sei, weshalb er glaubt, dass er die Entführung für sich so gut verarbeiten konnte.

00:11:46: Er sagte auch, dass er körperlich zwar gelitten hat, innerlich aber immer ein glückliches Naturell und seine Lebensfreude bewahrt hat.

00:11:53: Auch seine Familie, Freunde und das Unternehmen haben ihm bei der Verarbeitung des Erlebten geholfen und waren ihm eine Stütze.

00:11:59: Von seinen Ärzten wurde ihm damals auch eine Therapie mit einem Psychotherapeuten empfohlen, die er auch begonnen hat, aber bereits nach zwei Stunden wieder abgebrochen hat, weil er einfach nicht das Gefühl hatte, dass er sie brauchte.

00:12:09: Und er hat seine Erfahrungen dann auch zum Positiven genutzt.

00:12:12: Richard hat sich nämlich nach seiner Entführung mit der Opferschutz-Organisation Weißer-Ring zusammengetan.

00:12:18: Er wurde Vorstandsmitglied und nutzt dort seine persönliche Erfahrung und bekannt hat, um sich für Hilfe von Opfern einzusetzen.

00:12:24: So jetzt kommen wir zu dem Entführer, zu dem Lösegeld und der Fahndung nach dem Entführer.

00:12:29: Der Entführer heißt Dieter Zloff.

00:12:31: Er ist zum Zeitpunkt der Entführung, ist verheiratet und hat sogar zwei kleine Kinder.

00:12:36: Er ist Werkstatsbesitzer und gelernter Betriebswirt und Nachbarn würden über ihn sagen, dass er wie ein ganz gewöhnlicher Nachbar erscheint.

00:12:42: Im Hintergrund hat er aber eben diese wahnsinnig komplexe Entführung geplant und sich dabei nichts anmerken lassen.

00:12:47: Es muss dabei erwähnt werden, dass es in den Siebzigerjahren eine Welle von Lösegeldforderungen gibt, von denen Slough sich damals inspirieren lässt.

00:13:05: deshalb zum Opfer.

00:13:06: Und im Jahr neunzehntonhundertsechsundsiebzig, das ist genau das Jahr an dem Richard entführt wird, gab es zwei weitere Entführungen von reichen Unternehmern bzw.

00:13:14: deren Sprößlingen.

00:13:15: Und es kommt in Deutschland also wiederholt zur Entführung mit Lösegeldforderungen und Dieter Zloff bringt das auf die Idee, selbst jemanden zu entführen.

00:13:22: Er hat die vorhergegangenen Entführungen genau studiert und daraus gelernt, was da falsch gelaufen ist und hat sich dann überlegt, ich kann das machen und ich mache es dann besser als die anderen.

00:13:30: Und so zieht er die Entführungen dann durch.

00:13:32: Das Lösegeld vergräbt er nach der Übergabe von Richard in einem Loch in einer Lehmkuhle unter einem Baum.

00:13:38: Er muss sich damals erst mal überlegen, wie er das Geld unter die Leute bringt, also wie er das Geld waschen kann und für sich nutzbar machen kann.

00:13:44: Deswegen will er das erst mal da verstecken.

00:13:46: Er beginnt dann über die ersten Jahre so einzelne Scheine in Wechselstuben oder in Banken auszutauschen.

00:13:51: Parallel wird aber durchgehend nach ihm gefahndet.

00:13:53: Es wurde auch vorher schon gefahndet.

00:13:54: Auch dieser Parkplatz, in dem Richard entführt wurde, wurde großraumig abgesucht.

00:13:58: Während der Lösegeldübergabe wird August Oetker zum Beispiel von Zivilpolizisten überwacht.

00:14:03: Man hat irgendwie gehofft, dass man ihm auf die Spur kommen würde dadurch.

00:14:06: Das scheiterte aber daran, dass die Übergabe eben an dieser Tür stattfand, die nicht geöffnet werden konnte, weshalb sie ihm nicht folgen konnten und er dadurch entwischt ist.

00:14:14: Weiterhin wurden alle Anrufe von Zloff an die Familie von Richard aufgezeichnet.

00:14:19: Diese werden dann im Zuge der Verhandlung deutschlandweit über Radio und Fernsehen verbreitet mit der Bitte, um Hinweise sofern jemand diese Stimme zuordnen kann.

00:14:26: Und tatsächlich erkennen Nachbarn die Stimme und geben den Hinweis an die Polizei.

00:14:30: Und damit rückt Zloff jetzt in den Fokus der Ermittler.

00:14:33: Danach passiert Dieter Zloff ein entscheidender Fehler.

00:14:36: Ich habe eben schon gesagt, er versucht die Scheine jetzt irgendwie an den Mann zu bringen und er versucht dann bei seiner Hausbank einen Tausend Markschein auszuwechseln.

00:14:44: aus diesem Lösegeld.

00:14:45: Inzwischen ist es jetzt zwei Jahre nach der Entführung.

00:14:47: Und weil diese Scheine ja alle registriert waren, fällt der Bank das auf.

00:14:51: Die Bank kontaktiert dann die Polizei und der besitzt dieses Scheins in Verbindung mit der Stimmerkennung von den Nachbarn, genügt jetzt, um ihn festzunehmen.

00:14:59: Er bestreitet alles hartnäckig und das führt dann zu einem Indizienprozess mit über hundertsechzig Zeugen.

00:15:04: Ninzeundhundertachzig, also vier Jahre nach der Entführung, wird Dieter Zloff wegen erpressorischen Menschenraubs und schwerer Körperverletzung zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt.

00:15:13: diese Indizien-Kette mit seiner Stimme, dem Schein, den er versucht hat, einzulösen, einem Britchenwagen, den die Fahnder in seiner Garage finden, mit einer Halterung, auf die der Koffer mit dem Lösegeld passt und die Werkstatt in Pasing, von der man richtig vermutet, dass er Richard dort festgehalten hat, überführen ihn dann final.

00:15:28: Das Lösegeld aber bleibt weiterhin verschwunden.

00:15:31: Während seine Haft macht Dieter Zloff Bekanntschaft mit Hubertus Becker, der ihm später bei seiner Geldwäsche helfen will.

00:15:37: Und nach seiner Haftentlassung im Jahr fourhundneinzig, da ist das Geld also immer noch nicht gefunden, macht sich Dieter Zloff auf den Weg des Geld wieder auszugraben.

00:15:45: Ein großer Teil des Geldes, nämlich bis zu sieben Millionen D-Mark, sind aber damals total verfault und von Maden zerfressen.

00:15:52: Die muss er also komplett entsorgen.

00:15:54: Der Rest wird nach London verschifft, weil Hubertus Becker ihm dort helfen will, das Geld zu waschen.

00:16:00: Zloff wird nach seiner Entlassung aber von der Polizei ganz genau beobachtet und die arbeitet mit Scotland Yard in England zusammen und dadurch gerät er damals in deren Visier, die ihn dann bei einem Treffen auf einem Parkplatz in London mit einer erheblichen Summe der Scheine aus dem Lösegeld ertappen.

00:16:15: Dann starten neue Ermittlungen und einer seiner Komplizen verrät ihn dann bzw.

00:16:20: verrät, wo das Versteck des Lösegeldes in der Erde ist.

00:16:23: Wer genau dieser Komplize ist, ließ sich nicht herausfinden, dass es nicht öffentlich gemacht worden, weil er damals als Kronzeuge aussagt.

00:16:30: Die Polizei findet dann, in dem versteckt das restliche Lösegeld.

00:16:34: Von dem gesamten Lösegeld konnten circa zwölf Komma fünf Millionen gesichert werden und das wurde dann an die Familie Ötka zurückgezahlt.

00:16:40: Und in England wird Zloff dann noch einmal verurteilt, dieses Mal wegen versuchter Geldwäsche und Betrugs.

00:16:45: Er bekommt dann eine Haftstrafe von zwei Jahren und verbüßt eine davon.

00:16:49: Und nachdem das alles passiert ist, viele Jahre nach der Entführung hat Zloff die Tat dann endlich irgendwann auch selbst gestanden.

00:16:55: Er wurde übrigens auch von der Familie Ötka verklagt, zu Recht, wie ich finde, auf Schadensersatz inklusive Zinsen.

00:17:01: Und das Ergebnis davon waren dann circa vierzig Millionen D-Mark, die er zahlen sollte, aber natürlich dazu nicht in der Lage war.

00:17:07: Dieter Zloff hat aber niemals irgendwie Reue gezeigt.

00:17:11: Er hat sich auch nie bei Richard dafür entschuldigt, was er ihm angetan hat.

00:17:15: Ganz im Gegenteil, man beschrieb ihn eher als kalt und gefühllos.

00:17:19: Das waren jetzt alle Infos zu meiner heutigen Story.

00:17:22: Ich muss aber zum Schluss nochmal sagen, z.B.

00:17:25: hervorheben, was für eine starke Persönlichkeit Richard Ottkei ist.

00:17:29: Der hat mich wirklich sehr beeindruckt mit der Art, wie er mit der ganzen Sache umgegangen ist.

00:17:34: Da ziehe ich echt meinen Hut vor ihm.

00:17:36: Aber damit ist die Folge nun zu Ende.

00:17:38: Wir hören uns in zwei Wochen wieder.

00:17:40: Ich freue mich auf euch.

00:17:41: Bis dahin.

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