24. Der BSE-Skandal

Shownotes

Eine rätselhafte Krankheit taucht in britischen Rinderherden auf. Die Tiere verändern ihr Verhalten, verlieren die Kontrolle über ihre Bewegungen – und sterben.

Zunächst scheint BSE ein Problem der Landwirtschaft zu sein. Doch dann stellt sich eine viel beunruhigendere Frage: Kann die Krankheit auch Menschen gefährden?

Was folgt, ist einer der größten Lebensmittelskandale Europas. Wissenschaftler suchen nach der Ursache, Behörden versuchen die Krise einzudämmen und Politiker versichern der Bevölkerung, dass kein Grund zur Sorge bestehe. Gleichzeitig gibt es Menschen, die früher warnen und mit ihren Bedenken nicht gehört werden – wie die deutsche Tierärztin Margrit Herbst.

Als schließlich Menschen an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erkranken, verändert sich die Lage dramatisch.

In dieser Folge von Wissenshelden geht es nicht nur um BSE, Prionen und den Skandal um verseuchtes Tierfutter. Es geht auch um eine viel größere Frage:

Was tun wir, wenn wir eine Gefahr erkennen – aber noch nicht wissen, wie groß sie wirklich ist?

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00:00:00: Wissenshelden – der Podcast, der spannendes Wissen einfach und verständlich erklärt.

00:00:06: Sorgfaltig recherchiert und in jeder Folge ein neues Thema zum Mitdenken!

00:00:11: Hey ihr Lieben willkommen zurück bei Wissenzelden, eurem Podcast für spannende Themen aus dem Weltgeschehen und echtes Wissen das euch weiterbringt.

00:00:19: Ich bin euer Haustandrea.

00:00:21: Schön, dass ihr heute wieder dabei seid!

00:00:22: Wie immer habe ich für euch ein spannendes und interessantes aber auch brisantes Thema rausgesucht welches zu damaligen Zeit die Menschen schon ziemlich in Angst und Schrecken versetzt hat.

00:00:33: Wir sprechen heute über den BSE-Skandal, der Mitte der Achtzigerjahre Großbritannien heimgesucht hat.

00:00:38: Das Ganze lief über mehrere Jahre aber Mitte der AchzigerJahre gab es die ersten Fälle von erkrankten Rindern mit BSE.

00:00:46: genannt wurde das ganze auch Rinderwahnsinn und wir steigen direkt in die Folge ein.

00:00:51: ich spanne euch gar nicht länger auf die Folter.

00:00:53: Ein Rind steht in einem Stall irgendwo in Großbritanien.

00:00:57: Auf den ersten Blick wirkt es etwas unruhig.

00:01:01: Es bewegt sich vorsichtig.

00:01:03: Es setzt die Hufe seltsam auf und erschrickt bei Geräuschen, die andere Tiere gar nicht beachten würden.

00:01:08: Der Tierhalter glaubt zunächst dass ich das Tier vielleicht verletzt haben könnte.

00:01:12: Vielleicht eine Entzündung, vielleicht eine Erkrankung des Nervensystems oder einfach ein besonders nervöses Rind.

00:01:18: Doch der Zustand verschlimmert sich.

00:01:20: Das Tier beginnt zu taumeln.

00:01:22: es kann Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen.

00:01:24: beim melden tritt es plötzlich aus ist reagiert panisch auf Berührungen Und irgendwann kann es nicht mehr stehen.

00:01:32: Für den Tierarzt ist schnell klar, mit diesem Rind stimmt etwas ganz grundlegend nicht – aber was?

00:01:39: Zunächst kennt niemand die Antwort!

00:01:41: Nicht der Tierhalter, nicht die Tierärzte und auch die britischen Behörden haben noch keine Vorstellung davon welche Folgen diese Krankheit einmal haben könnte Denn zu diesem Zeitpunkt sieht alles noch nach einem Problem in der Landwirtschaft aus.

00:01:54: Ein paar kranke Rinder, eine ungewöhnliche Tiersäuche – vielleicht ein Problem das man mit neuen Vorschriften und etwas Geduld in den Griff bekommen kann?

00:02:02: Aber dann werden es immer mehr Tiere!

00:02:04: Und irgendwann stellt sich eine Frage die die ganze Geschichte verändern wird.

00:02:08: Könnte eine Krankheit die Rinder befällt auch für menschengefährlich

00:02:12: sein?!

00:02:13: Die Geschichte, die jetzt beginnt, führt uns in britische Futtermittelfabriken.

00:02:17: In Ministerien und Forschungslabore.

00:02:21: Kapitel I – Eine neue Krankheit.

00:02:24: Die ersten vereinzelten Fälle wurden in Großbritannien bereits in nineteenhundertfünfundachtzig beobachtet.

00:02:30: Ninzehundertsechsohnachtzig erkannten britische Fachleute dass es sich um eine neue Krankkeit handelte.

00:02:37: Sie bekamen den Namen BSE.

00:02:39: Bouvine Spongiforme Encephalopathy Eine schwammartige Erkrankung des Gehirns von Rindern.

00:02:46: Die Symptome waren ziemlich auffällig, die Tiere wurden zu Beginn nervös und schreckhaft.

00:02:51: sie reagierten ungewöhnlich stark auf Berührungen und Geräusche.

00:02:54: Sie bewegten sich unsicher, sie taumelten Sie konnten Hindernisse und Entfernungen nicht mal richtig einschätzen Und schließlich verloren sie die Fähigkeit zu stehen und zu laufen.

00:03:03: Für Tierhalter war das verstörend.

00:03:05: ein ruhiges Nutztier schien ganz plötzlich unberechenbar zu werden.

00:03:09: Deshalb setzte sich in der Öffentlichkeit schnell der Begriff Mad Cow Disease, also Rinderwahnsinn durch.

00:03:15: Wissenschaftlich ist dieser Begriff sehr ungenau und die Tiere wurden ja nicht verrückt im menschlichen Sinn.

00:03:20: Vielmehr wurde ihr Nervensystem durch die Krankheit schwer beschädigt was die beschriebenen Symptome hervorgerufen hat.

00:03:26: aber noch wichtiger als die Symptom war eine andere Frage woher kam diese Krankheit plötzlich?

00:03:33: Kapitel zwei Die Spur.

00:03:35: Schon bald fiel auf, dass besonders viele Fälle in Regionen auftraten, in denen bestimmte Futtermittel verwendet wurden.

00:03:42: Die wichtigste Spur führte schnell zum Tiermehl.

00:03:45: In Großbritannien wurden tote Tiere und Schlachtabfälle zu Tiermehl verarbeitet.

00:03:50: Dieses Fleisch- und Knochenmehl enthielt viel Eiweiß und wurde als Futtermittel verwendete.

00:03:55: Das bedeutete das ausgerechnet Rinder, die ja eigentlich Pflanzenfresser sind konzentrierte tierische Eiweiße zu fressen bekamen.

00:04:03: Eine mögliche Erklärung lag deshalb nah.

00:04:06: Vielleicht gelangten also Krankheitserreger aus bereits infizierten Tieren in das Tiermehl, Rinder fraßen das Futter und sie infizierten sich.

00:04:14: Wenn dann diese infizierte Rinder wiederum geschlachtet wurden wurde aus ihren Körperteilen auch Tiermehle hergestellt und anschließend auch dieses an weitere Tiere verfüttert.

00:04:23: Das ist ein gefährlicher Kreislauf und so konnte aus einem einzelnen Ursprung eine ganze Epidemie entstehen.

00:04:30: Eine weitere wichtige Spur führte zu einer Krankheit, die man bei Scharfen und Ziegen schon lange kannte.

00:04:36: Die nannte sich Skrapie.

00:04:37: Die Vermutung lag nahe dass ein TSE-Erreger aus Schafen oder Ziegen über Thielmehl in der Rinderpopulation gelangt sein könnte aber bis heute ist nicht ganz eindeutig erklärt welcher Erreger ursprünglich für die BSE Epidemie verantwortlich war.

00:04:52: Dieses Skrapi kommt nur bei Schafens und Siegen vor.

00:04:56: Auch dabei handelte sich um eine sogenannte Prionenkrankheit, wie es bei BSE auch der Fall ist.

00:05:01: Betroffene Tiere verlieren die Kontrolle über ihre Bewegungen und kratzen sich häufig an Zäunen oder anderen Gegenstände.

00:05:08: Daher kommt auch der Name aus dem Englischen Scrape also Kratzen.

00:05:12: Das waren am Anfang aber nur wissenschaftliche Vermutungen Aber sie passen zu weiteren Beobachtungen.

00:05:17: Dann kam dazu, dass in den Jahren zuvor die Verfahren zur Herstellung von Tiermehl verändert hatten.

00:05:23: Die Verarbeitung wurde teilweise vereinfacht und kostengünstiger.

00:05:27: Dadurch könnte ein entscheidender Unterschied entstanden sein!

00:05:30: Bestimmte infektiöse Prionen wurden möglicherweise nicht mehr ausreichend inaktiviert.

00:05:36: Die spätere BSE-Untersuchung hielt diese Veränderungen für einen wichtigen Faktor bei der Entstehung der Epidemie, aber das sind zu dem Zeitpunkt noch Vermutungen und konnten nicht so eindeutig geklärt werden – genau das sollte später entscheidend werden.

00:05:49: Kapitel drei Erste Maßnahmen.

00:05:54: Also drei Jahre nach dem ersten bekannten Fall macht Großbritannien BSE zu einer meldepflichtigen Krankheit.

00:06:01: Bekannte BSE-Rinder mussten getötet werden, außerdem wurde verboten Eiweiß aus Wiederkäuern an andere Wiederkäuer zu verfüttern – das waren wichtige Maßnahmen aber sie hatten Lücken!

00:06:11: Das Tiermehl galt zum Beispiel nicht sofort für alle Tierarten.

00:06:15: Tierische Eiweiße durften teilweise weiterhin an Schweine oder Geflügel verfüttert werden und damit bestand die Gefahr von Kreuzkontaminationen.

00:06:23: Eine Futtermühle konnte verschiedene Futtersorten herstellen.

00:06:25: Wenn nach der Produktion von Rindefutter zum Beispiel Reste in einer Anlage oder einem Transportfahrzeug zurückblieben, dann konnten sie zum Beispiel ein anderes Futter gelangen.

00:06:34: Außerdem waren zu diesem Zeitpunkt auch bereits viele Tiere infiziert und bei einer Krankheit mit langer Inkubationszeit wie es bei BSE der Fall ist bedeutete ein neues Verbot nicht das am nächsten Tag keine kranken Tiere mehr auftauchen würden Denn bereits infizierte Tiere würden erst Jahre später auffällig werden.

00:06:53: Und dann war da noch ein Problem, man wusste nicht vollständig welche Bestandteile eines Rindes besonders gefährlich waren.

00:07:00: Heute weiß man das vor allem Gehirn-Rückenmark und bestimmte Nervengewebe hohe Mengen an infektiöse Material enthalten können.

00:07:08: Damals war dieses Wissen aber noch nicht voll ständig – damit war auch eine entscheidende Frage weiterhin offen!

00:07:13: Was bedeutete BSE für den Menschen?

00:07:17: Kein Grund zur Sorge.

00:07:19: Die Frage, was BSE für den Menschen bedeutete wurde immer wichtiger und immer lauter gestellt denn BSE war inzwischen keine seltene Kuriosität mehr.

00:07:28: die Zahl der erkrankten Rinder stieg weiter an.

00:07:31: Wissenschaftler und Behörden mussten sich damit beschäftigen ob die Krankheit auf Menschen übertragen werden könnte.

00:07:36: Die Antwort der britischen Behörde lautete sehr lange Zeit.

00:07:39: es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür.

00:07:43: Diese Einschätzung war zwar erstmal nicht total aus der Luft gegriffen, denn die Krankheit war ja neu und es gab keine eindeutig bestätigten menschlichen Fälle.

00:07:51: Aber es konnte auch niemand sicher sagen dass eine Übertragung nichts stattfinden würde.

00:07:56: In der Öffentlichkeit kam damals also eher die Botschaft an Es besteht keine Gefahr.

00:08:02: Die zuständigen Behörden wollten dadurch verhindern das Verbraucher in Panik gerieten.

00:08:05: Sie wollten außerdem auch die britischen Bauern und Fleischwirtschaft schützen Denn ein Einbruch des Rinnenfleischverbrauchs hätte enorme wirtschaftliche Folgen gehabt.

00:08:14: Aber genau hier entstand ein Interessenkonflikt, denn das britische Landwirtschaftsministerium sollte ja gleichzeitig die Landwirtschaft unterstützen und die Bevölkerung von möglichen Gefahren schützen – und es gab durchaus Wissenschaftler, Tierärzte und andere Fachleute, die da vorsichtiger waren!

00:08:31: Die haben zwar nicht behauptet, dass jetzt Millionen Menschen erkranken würden.

00:08:34: Dafür gab es ja keine ausreichenden Daten aber sie haben darauf hingewiesen, dass man den Erreger noch nicht vollständig verstanden hat weshalb man sehr vorsichtig sein sollte.

00:08:43: Die Inkubationszeit das hatte ich eben schon mal gesagt die konnte sehr lang sein.

00:08:48: eine Übertragung auf Menschen konnte aus ihrer Sicht also gar nicht ausgeschlossen werden.

00:08:52: Man wusste ja nicht ob es vielleicht schon Menschen gibt die sich angesteckt haben.

00:08:56: Sie sagten auch, dass Schutzmaßnahmen sich nicht nur danach richten sollten was bereits bewiesen war sondern das man im Vorfeld mit Vorsicht handelt.

00:09:04: Doch nach außen wurde weiter stark beruhigt.

00:09:22: Das zeigte dann, dass die Behörden ein mögliches Risiko durchaus ernst genommen haben.

00:09:26: Gleichzeitig wurde der Bevölkerung aber weiterhin versichert, Rindfleisch ist total sicher!

00:09:31: Aber Darin lag einen schwer nachvollziehbarer Widerspruch Wenn bestimmte Teile eines Tieres gefährlich sein konnten Warum sollte das restliche Fleisch total unproblematisch sein?

00:09:41: Die Antwort darauf lautete, dass das Risiko vor allem in bestimmten Geweben lag und diese Gewebe konnten bei einem infizierten Tier besonders viel des BSE-Erregers enthalten.

00:09:52: Die Schlachtregeln sollten jetzt verhindern, dass diese in die Lebensmittel gelangten.

00:09:56: Doch gerade diese Trennung war in der Praxis nicht immer richtig umzusetzen.

00:10:00: Im Schlachthof mussten diese Teile nämlich sauber vom übrigen Fleisch getrennt, gekennzeichnet und anschließend sicher entsorgt werden – das war tatsächlich eine Herausforderung!

00:10:10: Kapitel V Aus einzelnen Fällen wird eine Epidemie.

00:10:14: Anfang der neunziger Jahre stiegen die BSE-Zahlen in Großbritannien dramatisch an Und jetzt konnte niemand mehr behaupten, dass es sich nur um einige wenige Einzelfälle handelt.

00:10:31: Ganze Herden wurden getötet.

00:10:33: Bauern mussten ihre Tiere abgeben – die Regierung zahlte ihnen dafür zwei Entschädigungen.

00:10:37: aber die Frustration dafür war groß und die Öffentlichkeitsabilder von Rindern, die auf Lastwagen gebracht oder in großen Keulungskampagnen getötete wurden.

00:10:46: Trotzdem blieb die offizielle Kommunikation vorsichtig.

00:10:49: Die Regierung wollte weiterhin vermeiden, dass Großbritannien als Land mit unsicheren Lebensmitteln galt und die Fleischwirtschaft wollte den Absatz retten – und gleichzeitig wuchs der politische Druck aus dem Ausland, denn andere europäische Länder wollten britisches Rindfleisch nicht einfach weiter akzeptieren!

00:11:05: Deutschland und Frankreich verhängen schon in den Portbeschränkungen und später auch im Portverbote.

00:11:12: Innerhalb der europäischen Gemeinschaft entstand Streit darüber, wie weit einzelne Länder gehen durften.

00:11:17: Doch während Politiker und Behörden über Importregeln stritten, entwickelte sich die Krankheit weiter!

00:11:23: Und dann kam der Punkt an dem es nicht mehr nur um Rinder ging.

00:11:30: Während die BSE-Zahlen bei Rindern stiegen, erkrankten im Jahr nineteenhundert und neunzehnundneinzig in Großbritannien erstmals Menschen an einer ungewöhnlichen Form der Kreuzfeld-Jakobkrankheit.

00:11:41: Um das kurz einzuordnen wir befinden uns zeitlich jetzt zehn Jahre nach den ersten Erkrankenrindern.

00:11:47: Die bis dahin bekannte klassische Kreuzweltjakob-Krankheit ist sehr selten und betrifft meistens ältere Menschen.

00:11:53: Sie führt zu einer schnell fortschreitenden Demenz und schwere neurologischen Störungen.

00:11:59: Sobald die ersten Symptome auftreten, verschlechtert sich der Zustand meist innerhalb weniger Monate.

00:12:04: Im Durchschnitt sterben die Betroffenen bereits nach etwa vier bis fünf Monaten.

00:12:08: Die neue Variante aber war anders – die neuen Patienten waren teilweise sehr jung und ungewöhnlich.

00:12:15: Sie litten zunächst häufig unter psychischen Veränderungen also keiner Demenz sondern Depressionen Angstzuständen, Stimmungsschwankungen auch Konzentrationsprobleme und später kamen neurologische Beschwerden dazu.

00:12:29: Die Betroffenen verloren die Kontrolle über ihre Bewegung.

00:12:31: Und schließlich starben sie an der fortschreitenden Zerstörung des Gehirns!

00:12:36: Und das Schlimmste war, es gab keine Therapie die die Krankheit aufhalten oder heilen konnte.

00:12:42: Vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Tod vergingen im Durchschnitt nur etwa vierzehn Monate.

00:12:47: Das ist übrigens bei der ursprünglichen Kreuzfeld-Jakob-Variante auch so.

00:12:51: Da tritt er tot wie ich ja eben schon mal kurz gesagt hatte Schon nach vier bis fünf Monaten ein.

00:12:57: Die neue Erkrankung wurde Variante Kreuzwelt Jakob-Krankheit genannt also kurz VCJK.

00:13:02: Ninzehundertfünfundachtzig wurde in Großbritannien also einer der ersten bekannten Fälle bei einem jungen Menschen festgestellt und weitere Fälle folgten dann.

00:13:12: Wissenschaftler haben dann begonnen, die Veränderungen im Gehirn der Erkrankten mit denen von BSE-Rindern zu vergleichen denn es zeigten sich auffällige Ähnlichkeiten.

00:13:21: In beiden Fällen fanden sich diese für Prionkrankheiten typischen schwammartigen Veränderung im Gehehlengewebe Und es gab Ablagerungen des krankhaft veränderten Prionproteins.

00:13:33: Zur Erklärung der Prionen kommen wir gleich noch mal etwas genauer.

00:13:36: Jedenfalls deuteten immer mehr Hinweise auf einen Zusammenhang hin.

00:13:40: BSE und die neue Variante der Kreuzwelt-Jagobkrankheit schienen mehr, als nur zufällig miteinander verbunden zu sein.

00:13:47: Dann kam der zwanzigte März neunzehnundhundertsechsundneinzig.

00:13:50: Der britische Gesundheitsminister Steven Durrell erklärte im Unterhaus, dass es wahrscheinlich einen Zusammenhangen zwischen BSE Nicht sicher, nicht endgültig bewiesen aber wahrscheinlich.

00:14:06: Diese Aussage veränderte damals alles.

00:14:09: Denn jahrelang hatte die Öffentlichkeit ja gehört dass es kein Beweis für eine Gefahr gibt und jetzt sagt die Regierung selbst das ein Zusammenhang wahrscheinlich ist.

00:14:18: Die Europäische Union reagierte nur wenige Tage später.

00:14:22: Sie verhängte einen Exportverbot für britische Rinder- und Rindfleischprodukte.

00:14:26: Kurz zur Einordnung der Timeline wir sind jetzt elf Jahre nach den ersten erkrankten Tieren.

00:14:33: Auch Tiermehl, Samen und Embryonen waren betroffen.

00:14:36: In Großbritannien brach der Rindfleischmarkt komplett ein.

00:14:40: Verbraucher kauften ohnehin viel weniger Fleisch Bauern verloren ihre Existenzgrundlage Und die Regierung musste ein riesiges Schlachtprogramm vorbereiten.

00:14:48: Jetzt stellte sich auch noch eine Frage, die weit über die medizinische Frage hinaus ging Was hatten die Behörden vorher schon gewusst?

00:14:59: Um diese Frage zu beantworten, müssen wir noch einmal einen Schritt zurückgehen.

00:15:02: Denn BSE ist keine gewöhnliche Infektion.

00:15:06: Der Erreger ist weder ein Bakterium noch ein Virus.

00:15:10: BSE gehört zu den sogenannten Pryonen-Krankheiten.

00:15:13: Dabei muss man wissen dass ein Pryon kein Lebewesen ist.

00:15:17: es besitzt keine eigene DNA und es vermehrt sich nicht wie ein Bakteriom oder Virus.

00:15:21: stattdessen handelt es sich um ein normales Eiweißmolekül das seine ursprüngliche Form verändert hat.

00:15:28: Dieses sogenannte fehlgefaltete Eiweiß kann andere, eigentlich gesunde Eiweiße dazu bringen ebenfalls ihre Form zu verändern und dadurch entsteht eine Kettenreaktion.

00:15:39: Wichtig dabei ist warum das alle erste Protein überhaupt diese krankhafte Form annimmt?

00:15:44: Das ist nicht vollständig geklärt!

00:15:46: Bei BSE wird davon ausgegangen dass der Prozess durch die Aufnahme bereits fehl gefallteter Prionenproteine über dieses kontaminierte Tiermehl in Gang gesetzt werden konnte.

00:15:56: Jedenfalls lagern sich immer mehr dieser fehlgefalteten Eiweiße im Gehirn ab.

00:16:01: Nervenzellen sterben und das Gehirnt funktioniert zunehmend schlechter.

00:16:05: Und was die Prionin so ungewöhnlich macht, ist dass sie sehr widerstandsfähig sind.

00:16:09: Sie werden durch übliche Desinfektions- und Erhitzungsverfahren nicht zuverlässigt zerstört.

00:16:14: Was dazukommt ist, dass die Krankheit sich über Jahre entwickeln kann – ein Tier kann also lange gesund aussehen obwohl der Prozess im Körper des Tieres schon längst begonnen hat!

00:16:23: Und wenn die ersten Symptome auftreten, dann gibt es keine wirksame Behandlung mehr.

00:16:27: Bei BSE können zwischen der Infektion und den ersten Anzeichen also mehrere Jahre liegen – das machte die Situation also schwer kontrollierbar und erklärte auch warum die Spur zum Tierfutter so wichtig war.

00:16:38: Wenn infiziertes Material in Tiermehl gelangte und dieses wiederum an Rinder verfüttert wurde, konnte sich die Krankheit über die Nahrungskette ausbreiten.

00:16:46: Besonders gefährlich war dabei infektiöses Nervengewebe Also Gehirn und Rückenmark.

00:16:52: Aber nicht nur die, es gab auch andere Gewebe in denen sich hohe Mengen des Erregers befinden können.

00:16:56: Damit wurde aus einem Problem in der Rinderhaltung ein Problem der gesamten Lebensmittelkette.

00:17:02: Kapitel VIII.

00:17:03: Wurde die Öffentlichkeit getäuscht?

00:17:06: Jetzt wurde eine entscheidende Frage gestellt.

00:17:08: Warum hatte die britische Regierung die Bevölkerung so lange damit beruhigt dass für den Menschen keine Gefahr besteht?

00:17:15: Die Antwort ist ein bisschen komplizierter, als dass man jetzt von einer einfachen Verschwörung sprechen könnte.

00:17:27: Sie wussten aber, BSE war eine neue und schwer-einzuschätzende Krankheit.

00:17:32: Man dachte die Ursache lag wahrscheinlich im Tierfutter.

00:17:35: der Erreger war ungewöhnlich widerstandsfähig.

00:17:38: Die Krankheit konnte dazu noch lange unentdeckt bleiben und eine Übertragung auf Menschen, werden.

00:17:45: Trotzdem wurde öffentlich häufig sehr beruhigend kommuniziert, die spätere Untersuchung unter Lord Phillips fand keine einfache zentrale Verschwörung.

00:17:54: Ein kleiner Abstecher lord phillips war ein Jurist und der wurde in nineteenhundert achtundneunzig zum Vorsitzenden der britischen BSE-Untersuchungskommission berufen.

00:18:03: Gemeinsam mit June Bridgman und dem Wissenschaftler Malcolm Ferguson Smith leitete er die Untersuchungen die sich fast drei Jahre lang mit der Entstehung von BSE Der neuen Variante von Kreuzfeld-Jakob und dem Umgang der britischen Behörden damit beschäftigte.

00:18:18: Diese Untersuchung kritisierte aber unter anderem mangelnde Transparenz, schlechte Koordinationen und eine Kommunikation die zu stark auf Beruhigung ausgerichtet war.

00:18:28: Das bedeutet dass die Bevölkerung zwar nicht absichtlich getäuscht wurde, aber es gab ein System in dem Informationen zwischen Behörde nicht ausreichend ausgetauscht wurden und wirtschaftliche Interesse eine zu große Rolle spielten.

00:18:41: Risiken wurden klein geredet und Verantwortliche haben zu lange an einer einmal eingeschlagenen Linie festgehalten.

00:18:48: Das Ergebnis sah für die Öffentlichkeit trotzdem wie eine Vertuschung aus, der entscheidende kommunikative Fehler lag vielleicht in einem einzigen Satz.

00:18:57: Es wurde ja damals gesagt es gibt keinen Beweis für eine Gefahr.

00:19:02: Eine verantwortungsvolle Botschaft hätte zum Beispiel lauten müssen.

00:19:05: Wir haben bisher keinen Nachweis für eine Übertragung auf Menschen, da die Krankheit aber neu ist und wir ihre Eigenschaft noch nicht richtig kennen und verstehen, verschärfen wir vorsichtshalber die Schutzmaßnahmen.

00:19:16: Das hätte kurzfristig vielleicht mehr Unruhe ausgelöst, aber langfristig wäre es wahrscheinlich glaubwürdiger gewesen.

00:19:26: Während Großbritannien bereits seit Jahren mit der Krankheit kämpfte, entwickelte sich in Deutschland zunehmend die Vorstellung, dass das Land von BSE eigentlich nicht betroffen ist.

00:19:35: Dabei war bereits twohneinzehnundzweiundneinzig ein aus Großbritanien importiertes Rind positiv getestet worden.

00:19:42: Dieser Fall wurde aber als Importproblem bewertet und einfach abgetan.

00:19:46: Man hat das damals nicht als Hinweis gesehen, dass BSE auch in Deutschland selbst entstehen oder verbreitet sein könnte.

00:19:52: In der öffentlichen Debatte entstand viel mehr der Eindruck, dass Großbritannien ein Problem hat – wir in Deutschland aber nicht!

00:19:58: Aber Deutschland importierte Rinder-, Futtermittel- und tierische Produkte.

00:20:02: Und auch hier wurde Tiermehl verwendet.

00:20:06: Konnte vieles bedeuten.

00:20:07: Vielleicht gab es tatsächlich keine BSE-Fälle, aber vielleicht funktionierten die Schutzmaßnahmen einfach nicht?

00:20:13: Vielleicht wurde einfach nicht ausreichend getestet denn ohne systematische Tests war eine sichere Aussage ja nicht möglich.

00:20:19: Fachleute und Umweltverbände haben deshalb auch schon seit Jahren davor gewarnt dass auch deutsche Bestände betroffen sein könnten.

00:20:26: Sie haben unter anderem gefordert ein vollständiges Verbot von Tiermehl Konsequente Tests strenge Futtermittelkontrollen oder eine offene Kommunikation an den Verbraucher.

00:20:36: Im April zweitausend warnten dann die EU-Kommissionen und deutschen Experten, die Bundesregierung das BSE wahrscheinlich auch in Deutschland verbreitet sein könnte.

00:20:45: Das waren fünfzehn Jahre nach dem ersten erkrankten Tier in Großbritannien.

00:20:50: Sie forderten unverzügliche Tests und nach Unterlagen des Bundestages wurde diese Warnung nicht genügend ernst genommen und die Forderungen nach systematischen Tests wurden nicht umgesetzt.

00:21:00: Eine weitere Warnion gab es, die niemand hören wollte.

00:21:03: Schon Jahre zuvor gab es Hinweise, die hätten ernst genommen werden können.

00:21:07: Einer davon kam von der Tierärztin Margaret Herbst.

00:21:10: Die hat im Auftrag des Kreises Sehgeberg in einem Schlachthof in Schleswig-Holstein gearbeitet – da untersuchte sie Rinder bevor sie geschlachtet wurden.

00:21:18: Im Sommer, also fünf Jahre nachdem das erste erkrankte Tier in England aufgetaucht ist, fielen ihr bei mehreren Tieren ungewöhnliche Bewegungen und Verhaltensänderungen auf Symptome, die sie an die damals bereits bekannte Krankheit BSE erinnert haben.

00:21:35: Herbst hat ihre Bedenken damals erst mal intern an den Kreis Seegeberg gemeldet – das war ja ihr Arbeitgeber!

00:21:41: Aber der damalige Landrat nahm die Warnung nicht ganz so ernst wie Magdreth Herbst es sich gewünscht hatte.

00:21:46: Untersuchungen wurden zwar durchgeführt.

00:21:48: bei einigen der verdächtigen Rinder wurden die Gehirne nach der Schlachtung feingewiblich untersucht.

00:21:54: Dabei fand die Experten teilweise Veränderungen im Gehirngewebe, aber keine eindeutigen Hinweise auf BSE.

00:22:01: Damit muss man ein Problem beachten – einen einfachen Test mit dem man BSE bei einem lebenden Rind sicher nachweisen konnte, den gab es zu dem Zeitpunkt damals noch nicht!

00:22:11: Herbst war deshalb überzeugt, dass genauer untersucht werden musste.

00:22:14: Sie wollte ein spezielles Untersuchungsverfahren entwickeln und bei verdächtigen Tieren weitergehende diagnostische Untersuchungen durchführen lassen.

00:22:22: Aber diese Möglichkeiten wurden nicht konsequent ausgeschöpft.

00:22:24: die Verdächtige Tiere wurden deshalb nicht als BSE-Fälle bestätigt und einige wurden schließlich ganz normal geschlachtet.

00:22:31: Margaret Herbst aber liest dieses Thema nicht los.

00:22:34: Sie hatte wirklich Sorge, dass die Krankheit in Deutschland sich verbreiten könnte.

00:22:38: Sie beobachtete weitere Auffälle Girinder.

00:22:41: Insgesamt meldete sie im Laufe der folgenden Jahre einundzwanzig Verdachtsfälle.

00:22:45: Weil sich aber auch danach immer noch nichts getan hat, entschiede sich irgendwann damit an die Öffentlichkeit zu gehen weil sie eine unentdeckte Gefahr gesehen hat.

00:23:15: Die Begründung damals, sie habe ihre Verschwiegenheitspflicht verletzt.

00:23:19: Jahre später sollte sich aber zeigen, die Sorge vor BSE in Deutschland, die war keineswegs aus der Luft gegriffen.

00:23:26: Und dann kamen der, auf den April-Jubel, der Januar-Jugend.

00:23:29: Bei einer in Deutschland geborenen Kuh in Schleswig-Holstein wurde BSE festgestellt.

00:23:36: Deutschland war also nicht BSE frei und wir erinnern uns, Schleswich-Holtstein ist das Bundesland, in dem Margret Herbst gearbeitet hat!

00:23:43: Besonders peinlich dabei, der Fall wurde im Rahmen von Tests entdeckt die eine Handelskette veranlasst hatte.

00:23:50: Die Krankheit war also nicht durch ein staatliches Überwachungssystem entdeck worden sondern durch eine zusätzliche Kontrolle.

00:23:56: Kurz darauf wurden dann weitere Fälle bekannt und jetzt änderte sich die Stimmung schlagartig.

00:24:01: Verbraucher miden Rindfleisch jetzt komplett in Supermärken blieben, Steaks und Hackfleisch liegen.

00:24:06: Restaurants nahmen Rindgerichte von den Speisekarten Und Landwirte mussten Tiere töten lassen obwohl sie selbst nichts falsch gemacht hatten.

00:24:14: Die Politik musste innerhalb weniger Wochen Maßnahmen nachholen die zuvor jahrelang diskutiert worden waren Und Deutschland reagierte jetzt mit deutlich umfangreicheren BSE-Tests.

00:24:24: Außerdem wurde die Verwendung von Tiermehl in der gesamten Nutztierfütterung verboten, die Überwachung wurde in den folgenden Jahren weiter ausgeweitet und angepasst.

00:24:38: Der politische Druck wurde jetzt immer größer.

00:24:40: Gesundheitsministerin Andrea Fischer und Landwirtschaftsminister Karl Heinz Funke grieten damals stark unter Druck.

00:24:47: Kritisiert wurden unter anderem die langsame Einführung von Tests, die schlechte Abstimmung zwischen Ministerien und der Umgang mit den Warnungen.

00:24:56: Aber auch die Tatsache dass die Bevölkerung lange beruhigt worden war.

00:25:00: Am neunten Januar, zwei Tausend einstraten daraufhin beide Minister zurück.

00:25:04: Die Regierung reagierte außerdem organisatorisch.

00:25:08: der Verbraucherschutz sollte politisch stärker in den Mittelpunkt rücken und die Botschaft war klar Lebensmittelpolitik sollten nicht allein danach beurteilt werden ob die Landwirtschaft wirtschaftlich funktioniert.

00:25:19: entscheiden sollte sein ob Verbraucher ausreichend geschützt und informiert werden.

00:25:24: Kapitel elf die Folgen für Menschen und Tiere.

00:25:28: Wie viele Menschen starben jetzt tatsächlich durch die menschliche Variante der Krankheit?

00:25:33: Die Variante, der Kreuzfeld Jakob-Krankheit blieb selten.

00:25:37: Aber sie verlief praktisch immer tödlich!

00:25:40: Die Weltgesundheitsorganisation nennt mehr als einhundertvierzig Fälle im Vereinigten Königreich sowie weitere Fälle in Frankreich, Irland, Italien den USA und Kanada.

00:25:51: Insgesamt bliebt die Krankheit selten.

00:25:53: weltweit wurden etwas mehr als zweihundert Todesfälle registriert die der Erkrankung zugeschrieben wurden.

00:25:59: Jetzt könnte man sich fragen, warum waren das nicht Millionen Opfer?

00:26:02: Wenn man sich überlegt wie viel Rindfleisch konsumiert wird oder verarbeitete Lebensmittel in den Rind fleisch beinhaltet ist Das ist bis heute nicht ganz vollständig geklärt.

00:26:10: Wahrscheinlich spielten mehrere Faktoren zusammen.

00:26:13: Nicht jedes infizierte Rind gelangte in die Nahrungskette.

00:26:16: Besonders gefährliche Gewebe wurden ja teilweise entfernt.

00:26:19: Die Übertragung auf den Menschen scheint relativ selten zu sein, Menschen unterscheiden sich möglicherweise genetisch in ihrer Empfindlichkeit und die Inkubationszeit war sehr lang.

00:26:29: Während der Krise wusste allerdings niemand genau wie viele Menschen möglicherweise bereits infiziert waren.

00:26:36: Eine Modellrechnung ging deshalb von sehr hohen Opferzahlen aus.

00:26:39: Andere Schätzungen fielen wesentlich niedriger aus und diese Unsicherheit verstärkte die Angst, doch die Folgen betrafen nicht nur Menschen.

00:26:47: In Großbritannien wurden Millionen Rinder getötet – eine Analyse schätzt das ungefähr drei Komma.

00:26:52: Drei Million Tiere geschlachtet wurden und der wirtschaftliche Schaden rund dreikommasieben Milliarden Pfund betrug.

00:26:59: Auch deutsche Bauern waren stark betroffen.

00:27:01: Viele hatten auch gesunde Tiere, haben sie aber wegen der behördlichen Schutzmaßnahmen verloren.

00:27:05: andere konnten ihre Produkte nicht verkaufen.

00:27:08: Für die Landwirte fühlte sich die Krise also oft ungerecht an.

00:27:11: Die Ursachen lagen in politischen und industriellen Strukturen Und die Folgen trafen aber die einzelnen Bauern im Stall.

00:27:22: Die Krankheit verschwand nicht plötzlich von heute auf morgen.

00:27:25: Auch nach den Verboten wurden noch Tiere entdeckt, die sich wahrscheinlich Jahre zuvor schon infiziert hatten aber die Zahl der Fälle ging deutlich zurück.

00:27:33: dazu haben mehrere Maßnahmen beigetragen das verbot oder die starke Einschränkung von Tiermehl die Entfernung von Risikomaterial wie Gehirn und Knochenmark strengere Schlachtregeln, BSE-Tests, bessere Kontrollen der Futtermittel.

00:27:49: Die Rückverfolgbarkeit von Tieren und die internationale Zusammenarbeit.

00:27:53: Der BSE Skandal zeigt aber etwas Grundsätzliches über unsere moderne Lebensmittelversorgung.

00:27:58: Ein Problem an einer einzigen Stelle kann sich über viele Betriebe oder sogar mehrere Länder verteilen.

00:28:04: Eintier ist krank!

00:28:05: Daraus wird in einer Fabrik Futtermäel hergestellt.

00:28:08: Die Fabrik beliefert dann mehrere Betriebe, die Tiere dieser Betrieben werden wieder woanders hin transportiert und geschlachtet und dann wieder wo andershin verkauft.

00:28:16: Und plötzlich ist aus einem Problem in einem Stall ein Problem für Millionen Verbraucher geworden.

00:28:22: Deshalb wurde auch die Rückverfolgbarkeit von Produkten immer wichtiger.

00:28:26: Behörden mussten zukünftig folgendes nachvollziehen können Wo wurde ein Tier geboren?

00:28:32: Welche Futtermittel hat es bekommen, in welchem Betrieb wurde er geschlachtet, wohin wurde das Fleisch geliefert und sogar welche Produkte wurden daraus hergestellt.

00:28:46: Vielleicht habt ihr schon gemerkt dass ich immer ganz wichtig finde, welche Lehre der Mensch aus bestimmten Vorfällen gezogen hat.

00:28:52: Die wichtigste Lehre aus der BSE Krise ist jetzt nicht ob und wie BSE hätte verhindert werden können, sondern wie eine Gesellschaft mit einem völlig neuen Risiko umgeht das sie noch nicht vollständig greifen kann.

00:29:16: Und darum geht es beim Vorsorgeprinzip, bei einem schwerwiegenden möglichen Risiko nicht einfach abwarten bis der Schaden bewiesen ist.

00:29:23: Sondern dabei offen zu sagen was man weiß und was man noch nicht weiß denn das Vertrauen der Bevölkerung entsteht nicht einfach durch Beruhigung sondern durch Ehrlichkeit.

00:29:32: Jetzt möchte ich noch einen kleinen Abschweifer machen, nochmal zurück zu Margret Herbst.

00:29:37: Wir erinnern uns das ist die Tierärztin, die die ersten Verdachtsfälle in Schleswig-Holstein gemeldet hat und die damit an die Öffentlichkeit gegangen ist.

00:29:46: Die wurde ja von ihrem Arbeitgeber dem Kreissägelwerk gekündigt.

00:29:50: Aber ihre Geschichte war da noch nicht ganz vorbei mit ihrer Kündigung, denn nach ihrer Entlassung zog sie nämlich vor Gericht.

00:29:56: Sie wollte gegen ihre Kündigungen vorgehen – allerdings ohne Erfolg.

00:29:59: Sie bekam ihren Arbeitsplatz nicht zurück!

00:30:02: Nach Jahren in denen sie arbeitslos war... Es wollte sie nämlich auch niemand mehr einstellen, weil ihr Ruf mit diesen Anschuldigungen ihres Arbeitgebers nämlich ruiniert war.

00:30:11: Wurde sie früh verrentet.

00:30:13: Später als dann Mehrklarheit herrschte über diese Krankheit wurde sie aber für ihren Mut ausgezeichnet.

00:30:28: Und dann gab es aber noch eine besonders bittere Wendung.

00:30:30: Anfang der zweitausender Jahre sollte sie sogar das Bundesverdienst Kreuz erhalten, welches die meiner Meinung auch tatsächlich verdient hat – aber die Auszeichnung war an verschiedene Bedingungen geknüpft und unter anderem sollte sie auf mögliche Ansprüche gegen das Land und den Kreis verzichten.

00:30:46: Das lehnte Herbst aber ab!

00:30:48: Eine vollständige politische Rehabilitierung blieb ihr ebenfalls versagt.

00:30:53: Was ich schon traurig und wirklich ungerecht finde, da solche Vorfälle abschreckend wirken können – obwohl sie genau das Richtige gemacht hat!

00:31:00: Und damit sind wir auch heute wieder am Ende unserer Folge von Wissenzellen angekommen.

00:31:04: Vielen Dank dass Ihr dabei wart.

00:31:05: Ich hoffe das Thema hat Euch gefallen.

00:31:14: Wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert den Podcast und empfiehlt uns gerne weiter.

00:31:19: Ich freue mich schon auf euch in unserer nächsten Folge wieder mit einem spannenden Thema.

00:31:24: Bis dahin!

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