17. Die Fukushima-Katastrophe

Shownotes

Am 11. März 2011 erschüttert eines der stärksten Erdbeben der Geschichte Japan. Wenig später trifft ein gewaltiger Tsunami auf die Küste und löst im Kernkraftwerk Fukushima eine der schwersten Reaktorkatastrophen der modernen Zeit aus.

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Wie entsteht ein Mega-Erdbeben? Warum war der Tsunami so extrem? Und weshalb versagten die Sicherheitssysteme im Kraftwerk?

In dieser Folge reisen wir Schritt für Schritt durch die Ereignisse von Fukushima: vom gewaltigen Beben tief unter dem Pazifik über die riesigen Flutwellen bis hin zu Wasserstoffexplosionen, Kernschmelzen und den Folgen für hunderttausende Menschen.

Eine Folge über Naturgewalten, Technik, menschliche Entscheidungen und darüber, was die Welt daraus gelernt hat.

Video der Explosion des Kernkraftwerks https://youtu.be/haUawwm7l4k?si=3p_SGPBSZEX__pQ6

Video, wie der Tsunami erst ganz langsam und dann massiv auf einen Hafen trifft https://youtu.be/spg62-MrYpQ?si=s1TQWOucdXU4t-Yv

Wikipedia-Seite des Kernkraftwerks https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Fukushima_Daiichi

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Transkript anzeigen

00:00:02: Wissenshelden.

00:00:04: Der Podcast der spannendes Wissen einfach und verständlich erklärt, sorgfältig recherchiert und in jeder Folge ein neues Thema zu mitdenken.

00:00:12: Und damit willkommen zurück bei Wissenzhelden, eurem Podcast für spannende Themen aus dem Weltgeschehen und echtes Wissen das euch weiterbringt!

00:00:19: Ich freue mich dass ihr heute wieder dabei seid wie immer denn ich glaube ich habe heute ein ganz besonders spannendes Thema mitgebracht.

00:00:25: es geht um eine Ereignis da sich in der welt mit einem einzigen Namen eingeprägt hat Fukushima.

00:00:32: Viele Menschen denken bei diesem Namen sofort an eine Explosion in einem Kernkraftwerk und eben eine Reaktorkatastrophe.

00:00:38: Aber wir sprechen heute über einen Vorfall der eigentlich ausgleich drei gewaltigen Ereignissen bestand, einem der stärksten Erdbeben der Menschheitsgeschichte, einem verheerenden Tsunami und einer schweren Reaktorkatastrophe – jedes einzelne davon wäre schon historisch gewesen!

00:00:55: Zusammen wurden sie zu einer Katastrophe die ganze Welt erschüttert hat.

00:00:59: Wir schauen uns also konkret an Wie ist es zu diesem Erdbeben gekommen?

00:01:03: Warum war der Tsunami so extrem stark und was genau ist in dem Kraftwerk Fukushima passiert.

00:01:09: Wir gucken uns dann auch die Folgen der Katastrophe für Millionen von Menschen an, wir schauen uns an ob und was die Welt daraus gelernt hat.

00:01:17: Wir reisen dafür zurück in den März-Japan.

00:01:21: Stellt euch eine Küstenregion vor, in der das Meer direkt auf das Land trifft!

00:01:26: Kleine Städte, Fischereihäfen, Straßen direkt am Meer dahinter Hügelwälder und Bergland.

00:01:32: Die Region um Fukushima ist eigentlich bekannt für ihre Natur, Landwirtschaft und die Nähe zum Meer.

00:01:38: Das Meer bringt Arbeit, Nahrung und Handel aber wie wir heute lernen werden kann es auch unglaublich zerstörerisch werden.

00:01:45: Aber die Menschen dort leben schon seit Jahrhunderten mit Naturgewalten, denn Japan liegt in einer der aktivsten Erdbeben-Zonen der Welt.

00:01:53: Und am elften März des Jahres beginnt genau da eine Katastrophe, die innerhalb weniger Stunden die ganze Welt erschüttert.

00:01:59: Wir starten in Kapitel I mit dem Erdbäben Am frühen Nachmittag des elften März, er schüttert ein gewaltiges Erdbeben die Nordküste Japans.

00:02:08: Das Beben erreicht eine Stärke von etwa neun Komma Null bis neun Koma Eins auf der sogenannten Momenten Magnitudenskala.

00:02:16: Oft wird es vereinfacht Richterskala genannt.

00:02:19: Das ist nicht ganz richtig weil die Richterskalade einer andere ist.

00:02:22: aber ihr habt das bestimmt so schon mal gehört Und an dieser Stelle müssen wir übrigens kurz mal über diese Zahl, neun Komma Null oder Neun Kommaa Eins und eben diese Bezeichnungen für die unterschiedlichen Skalen.

00:02:34: Denn wahrscheinlich habt ihr den Begriff Richterskala alle schon gehört.

00:02:37: Viele sagen bis heute immer einfach, dass Erdbeben hat eine Stärke neun auf der Richter-Skala.

00:02:41: Ganz korrekt ist das bei modernen Mega-Erdbeeren wie Fukushima aber eigentlich nicht mehr!

00:02:46: Die klassische Richterskaale wurde nämlich schon in den dreißiger Jahren vom amerikanischen Seismologen Charles Richter entwickelt.

00:02:53: Damals wollte man Erdbäben messbar machen – also man wollte herausfinden, wie stark die Erschütterungen wirklich sind und man wollte sie einkategorisieren können….

00:03:01: Dafür nutzte man Messgeräte, sogenannte Seismografen die die Schwingungen des Bodens aufzeichneten.

00:03:07: Das Besondere dabei ist dass die Scala logarithmisch aufgebaut ist und das klingt erstmal kompliziert aber eigentlich ziemlich spannend.

00:03:14: Logarithmisch bedeutet dass ein Erdbeben der Stärke sechs nicht einfach nur ein bisschen stärker als eins der Stärke fünf ist sondern die gemessenen Bodenbewegungen sind etwa zehnmal stärker Und bei der freigesetzten Energie wird es noch krasser.

00:03:27: Ein Erdbeben der Stärke sieben setzt ungefähr dreißigmal mehr Energie frei als eines der Stärken sechs und so geht es weiter.

00:03:33: ein erdbebender stärker acht wiederum setzt etwa dreißich mal mehr, als ein erddbebener stärke sieben frei.

00:03:39: das bedeutet zwischen stärke acht und neun liegt nicht einfach nur eine Stufe unterschied sondern einen gewaltiger sprung an energie und genau deshalb gelten erd beben abstärke neun als absolute mega-erdbeben.

00:03:50: Heute nutzt man bei sehr großen Erdbeben allerdings nicht mehr diese ursprüngliche Richterskala, sondern die sogenannte Momenten-Magnitudenskala.

00:03:59: Der Grund dafür ist ganz einfach, dass die Richterskala gut funktioniert – bei kleineren bis mittleren Erdbäben kommt aber bei extrem starken Beben an ihre Grenzen und wird dann ungenau.

00:04:08: Die Momentenmagnitudenskala berücksichtigt zusätzlich noch, wie groß die Bruchfläche im Gestein war bei einem Erdbeben.

00:04:14: Wie weit sich die Erdplatten verschoben haben und wie viel Energie tatsächlich freigesetzt wurde.

00:04:19: Deshalb können Forschende damit große Erdbäben deutlich genauer bestimmen.

00:04:23: Wenn ihr also hört das Fukushima-Erdbeam hatte eine Stärke von neun Komma Eins dann stammt dieser Wert eigentlich aus der momenten Magnitudenscala.

00:04:30: auch wenn dem Alltag noch oft von der Richterskala gesprochen wird Die Stärke ist wirklich enorm.

00:04:38: Es gehört zu den stärksten, jemals gemessenen Erdbeben weltweit.

00:04:42: Das allerstärkste, jiemals registrierte Erdbäben wurde in Chile gemessen und erreichte eine Stärke von neun Komma fünf – zum Vergleich!

00:04:51: Und das stärkste Erdbaben in Deutschland, was jemal gemessen wurde, lag vermutlich bei sechs Komma eins bis sechs Kommaa vier und das war schon ziemlich stark und zerstörerisch.

00:04:59: Vermutlich sage ich deshalb, weil dieses Beben bereits vor mehr als dreihundert Jahren stattfand.

00:05:04: Ich glaube sogar dreihundertfünfzig Jahre und damals gab es noch keine modernen Messgeräte.

00:05:08: die Stärke wurde später anhand historischer Berichte und geologischer Untersuchungen rekonstruiert Und das Erdbeben über dass wir heute sprechen war wirklich ein mega erdbebem und gehört zu den gewaltigsten Naturereignissen überhaupt.

00:05:21: Es ist so stark, dass die seismischen Wellen sich durch die gesamte Erde ausbreiten.

00:05:25: Messstationen auf der ganzen Welt registrieren die Erschütterungen, selbst tausende Kilometer entfernt Schlagemessgeräte noch deutlich aus.

00:05:32: Und jetzt kommt etwas das wirklich fast unglaublich klingt – sogar die Erdachse verschiebt sich durchs Erdbeben!

00:05:38: Zwar nur minimal?

00:05:40: Aber das muss man sich mal forschen, dass ich die ganze Erde so bewegen lässt.

00:05:45: Die gewaltige Bewegung der Erdplatten verändert die Massenverteilung unseres Planeten leichter.

00:05:51: Forschende der NASA berechnen später, dass sich die Erdachse vermutlich sogar um einige Zentimeter verschoben hat.

00:05:56: Es wird sogar herausgefunden, das sich der Tag minimal verkürzt hat!

00:06:01: Zwar nur um ganz wenige Mikrosekunden – das würden wir natürlich auch nie merken?

00:06:06: Aber daran sieht man, wie unfassbar viel Energie bei diesem Erdbeben freigesetzt wurde.

00:06:10: Selbst in Tokium mehrere hundert Kilometer entfernt geraten Hochhäuser ins Schwanken Straßen reißen auf Gebäude werden beschädigt und Millionen Menschen verlieren zeitweise Strom- oder Telefonverbindungen.

00:06:21: Doch das eigentliche Problem entsteht gar nicht an Land.

00:06:24: Es entsteht draußen im Pazifik.

00:06:26: Das Epizentrum des Bebens liegt etwa hundredreißig Kilometer östlich der japanischen Küste vor der Prefektu Miyagi und nordöstlich von Tokium.

00:06:34: Und kurz zur Erklärung des Epi-Zentrum eines Erdbebens ist der Punkt an der Erdoberfläche direkt über dem Ort im Inneren der Erde, an dem das Erdben ausgelöst wird.

00:06:44: Also das ist der Ursprung des Erdbehbens.

00:06:47: Genauer gesagt passiert das Erddbeben in einer sogenannten Subduktionszone.

00:06:52: und damit kommen wir jetzt darauf wie so ein Megaerdbeben überhaupt entsteht.

00:06:56: Die Erdkruste besteht nicht aus einer einzigen festen Schale sondern sie setzt sich aus mehreren riesigen Platten zusammen, die sogenannten tektonischen Platten.

00:07:05: Die bewegen sich langsam auf dem heißen Erdmantel – man merkt gar nichts davon!

00:07:10: Die Bewegung beträgt oft nur wenige Zentimeter pro Jahr.

00:07:13: Japan liegt allerdings genau dort wo mehrere diese riesigen Platten aufeinandertreffen.

00:07:18: Deshalb gibt es dort besonders viel Erdbeben und Vulkanem.

00:07:22: Im Fall des sogenannten Tohoku-Erdbebens über das wir heute sprechen spielt vor allem die Pazifische Platte eine entscheidende Rolle.

00:07:30: Sie schiebt sich nämlich langsam unter eine andere Erdplatte.

00:07:33: Diesen Vorgang nennt man Subduktion, das passiert allerdings nicht gleichmäßig.

00:07:38: die Platten verhaken sich oft über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte miteinander und dabei bauen sich enorme Spannungen auf so ähnlich wie wenn man sich einen Ast in die Hand nimmt und den immer weiter biegt.

00:07:51: Irgendwann wird die Spannung auf diesem Arzt so groß dass er einfach bricht Und das kann man ziemlich gut auf unseren heutigen Fall übertragen, denn dieser Bruch entsteht ganz plötzlich und ruckartig.

00:08:01: Das geschieht am elften März des Meeresboden auch.

00:08:04: Ein riesiger Bereich des Meerebodens verschiebt sich innerhalb weniger Minuten – teilweise hebt sich der Boden mehrere Meter an!

00:08:11: Dadurch wird eine unfassbare Energiemenge freigesetzt und genau diese Bewegung setzt nun die nächste Katastrophe in Gang.

00:08:17: Denn durch die plötzliche Verschiebung des Meeresbodens wird eine gewaltige Wassermasser verdrängt und daraus entsteht ein Tsunami.

00:08:25: Kapitel II.

00:08:26: Der Tsunami.

00:08:28: Viele Menschen stellen sich bei einem Tsunamie einfach nur eine einzelne riesige Welle vor, aber tatsächlich ist ein Tsunamis viel komplexer.

00:08:36: Wenn sich der Meeresboden plötzlich hebt oder senkt wird das Wasser darüber ebenfalls angehoben oder abgesenkt.

00:08:41: Dabei entstehen riesigewellen Bewegungen die sich kreisförmig über den gesamten Ozean ausbreiten.

00:08:47: Anders als normale Meereswellen bewegt sich bei einem Tsunami nicht nur die Oberfläche des Wassers, sondern die gesamte Wassersäulegerät in Bewegung.

00:08:55: Also vom Meeresboden bis zu Oberflächen Auf dem offenen Meer merkt man einen Tsunamie oft kaum.

00:09:01: Die Wellen sind da manchmal nur wenige Meter hoch, aber sie bewegen sich mit unglaublicher Geschwindigkeit über den Pazifik.

00:09:08: Teilweise mit bis zu siebenhundert oder achthundert Kilometern pro Stunde – das ist fast so schnell wie ein Passagierflugzeug.

00:09:14: und so schnell ist jetzt dieser Tsunami auf dem Weg zur Küste Japans!

00:09:18: Schon kurz nach dem Erdbeben geben die japanischen Behörden Tsunami Warnungen raus.

00:09:23: Allerdings unterschätzen die ersten Berechnungen zunächst die tatsächliche Höhe der Wellen, denn der Tsunamie entwickelt am Ende eine deutlich größere Kraft als ursprünglich erwartet.

00:09:33: In einigen Küstenregionen passiert jetzt was Unheimliches – das Meer zieht sich plötzlich ungewöhnlich weit zurück Häfen und Strände liegen teilweise trocken.

00:09:43: Boote kippen zur Seite, der Meeresboden wird

00:09:45: sichtbar.".

00:09:46: Und genau das ist eines der gefährlichsten Warnzeichen eines Tsunamis!

00:09:50: Wenn sich das Wasser plötzlich stark zurückzieht bedeutet es dass kurz darauf enorme Wassermassen zurückkommen.

00:09:56: Draußen auf dem offenen Pazifik rast der Tsunami währenddessen bereits auf Japan zu und als die Wellen die Küste erreichen verändert sich alles innerhalb von nur weniger Minuten.

00:10:05: Das Wasser wird in Küsten näher aber erst mal langsamer, aber gleichzeitig beginnt sich das Meer regelrecht aufzubauen.

00:10:12: Die Wassermassen tömen sich immer höher auf ähnlich wie eine Falte in einem Teppich wenn man denen so zusammenschiebt.

00:10:18: und dann trifft der Tsunami auf Land.

00:10:21: Mit gewaltiger Wucht schlagen die Wassermassen auf die Küstenregionen Straßen verschwinden über Wasser Häuser werden aus ihren Fundamenten gerissen und mitgetrieben Autos treiben wie Spielzeug durch Fluten Schiffe werden kilometerweit ins Landesinnere getragen und an manchen Orten treffen nicht nur eine, sondern mehrere Wellen hintereinander auf die Küste.

00:10:41: Das ist typisch für ein Tsunami.

00:10:44: In einigen Regionen steigen die Wassermassen auf Höhen von bis zu vierzig Metern über dem normalen Meeresspiegel.

00:10:50: Teilweise dringt das Wasser bis zu zehn Kilometer weit ins Landes innere vor.

00:10:55: Menschen fliehen oft Dächer, Hügel oder in höhere Stockwerke.

00:10:58: Es gab ja die Warnung aber die ist für viele bleibt also nur sehr wenig Zeit.

00:11:06: Und die Tsunami-Warnung war nicht so hoch eingestuft, wie der Tsunamis dann tatsächlich ausgefallen ist.

00:11:12: Das habe ich ja eben schon mal kurz angesprochen.

00:11:14: Später finden Forschende aber heraus, warum dieser Tsunami besonders stark wurde?

00:11:19: Im Bereich des sogenannten Japangrabens gibt es spezielle Ablagerungen am Meeresboden darunter schwache Tonschichten und die könnten dazu geführt haben dass sich Teile des Meeresbodens stärker verschoben haben als ursprünglich erwartet.

00:11:31: Zusätzlich vermuten einige Forschende das untersehische Erdrutsche ausgelöst wurden, die den Tsunamin noch weiter verstärkten.

00:11:38: Und während entlang der gesamten Nordküste Japans Chaos ausbricht, rast der Tsunami weiter die Küste entlang bis er schließlich auch auf das Kernkraftwerk in Fukushima trifft.

00:11:49: Ab diesem Moment entwickelt sich aus einer Naturkatastrophe plötzlich eine technische Katastrophe.

00:11:59: Bevor wir uns anschauen was im Kraftwerk passiert müssen wir erstmal verstehen wie ein Kraftwerk überhaupt funktioniert.

00:12:05: Und an der Stelle verweise ich mal auf die Folge zehn unseres Podcast, da geht es um einen weiteren Reaktorunfall in Three Mile Island.

00:12:14: In der Folge bin ich etwas genauer und konkreter darauf eingegangen wie ein Kernreaktor funktioniert.

00:12:19: Ich würde euch empfehlen jetzt mal den kleinen Abstecher zu machen und vielleicht diese Folge mal anzuhören wenn ihr das nicht ohnehin schon gemacht habt.

00:12:25: Ich fasse jetzt aber trotzdem nochmal zusammen wie einer Turmkraftwerk ungefähr funktioniert Nur dieses Mal ein bisschen kompakter!

00:12:31: In einem Kernreakteur befinden sich Brennstäbe mit Uran.

00:12:35: In diesen Brennstäben laufen Kernspaltungen ab.

00:12:38: Dabei werden Atomkerne gespalten und enorme Mengen Energie freigesetzt, hauptsächlich in Form von Wärme.

00:12:44: Diese Wärmhe erhetzt dann Wasser, woraus Dampf entsteht und der Dampf treibt Tubinen an und die Tubinen treiben wiederum Generatoren an und so entsteht Strom.

00:12:52: Das ist ja die Hauptaufgabe eines Kernkraftwerks nämlich Strom zu erzeugen.

00:12:56: Ganz wichtig dabei ist.

00:12:58: ein Kernreaktor muss ständig gekühlt werden.

00:13:01: Selbst wenn die eigentliche Kettenreaktion gestoppt wird, entsteht weiterhin eine sogenannte Nachzerfalswärme.

00:13:07: Das bedeutet auch ein abgeschalteter Reaktor produziert noch enorme Hitze.

00:13:12: Deshalb müssen die Kühlsysteme selbst nach einer Notabschaltung weiterlaufen und genau das wird in Fukushima später zum entscheidenden Problem Denn das Kernkraftwerk liegt direkt an der Küste.

00:13:23: Die Anlage besteht aus mehreren Reaktorblöcken Und es gibt sogar Schutzmaßnahmen gegen Tsunamis.

00:13:28: Die sind allerdings nur für deutlich kleinere Wellen ausgelegt.

00:13:32: Dass das Kraftwerk direkt am Meer gebaut wurde, obwohl man eigentlich ja mit Tsunamis gerechnet hat – das zeigt die Tatsache, dass eben Schutzmauern gebaut wurden – hatte einen ziemlich einfachen Grund, denn Atomkraftwerke benötigen enorme Mengen Wasser zur Kühlung.

00:13:47: Die Lage an der Küste erleichterte also den Betrieb.

00:13:50: Das Risiko eines extremen Tsunami wurde dabei aber total unterschätzt!

00:13:54: Und jetzt schauen wir uns die Ereignisse an dem Tag mal genauer an.

00:13:58: Denn zunächst erschüttert ja das Erdbeben, die Anlage.

00:14:01: Die Reaktoren eins zwei und drei, die zu diesem Zeitpunkt in Betrieb sind werden dadurch automatisch abgeschaltet.

00:14:07: Das ist eine Sicherheitsfunktion und die arbeitet ganz genau wie geplant – das soll so sein.

00:14:12: Aber kurz darauf fällt auch durch das Erddbeben die externe Stromversorgung aus Und auch für solche Situationen hat man vorgesorgt, denn das Kraftwerk besitzt Notstromaggregate.

00:14:22: Die springen automatisch an und versorgen die Kühlpumpen weiterhin mit Energie.

00:14:27: Für diesen Moment scheint die Situation also noch kontrollierbar zu sein – dann erreicht der Tsunami das Kraftwerk.

00:14:34: Etwa vierzig Minuten nach dem Erdbeben überrollen mehrere riesige Wellen das Gelände.

00:14:39: Die Schutzmauern sind zu niedrig!

00:14:41: Das Wasser schießt über die Anlage hinweg und überflutet große Teile des Kraftwerks.

00:14:46: Viele Notstromgeneratoren fallen aus.

00:14:48: Kabelsysteme und elektrische Anlagen werden beschädigt, und plötzlich gibt es fast keinen Strom mehr.

00:14:53: Und genau jetzt beginnt die eigentliche Reaktorkatastrophe!

00:14:57: Ohne Strom funktionieren die Kühlsysteme nicht mehr richtig.

00:15:00: Die Temperaturen in den Reaktoren steigen dramatisch an.

00:15:04: Wasser beginnt zu verdampfen – die Brennstiebel liegen teilweise frei und werden extrem heiß.

00:15:09: Dabei reagiert die Metallhülle der Brennstäbe mit Wasserdampf.

00:15:13: Es entsteht Wasserstoffgas und das gefährliche ist, dass Wasserstoff hochentzündlich ist.

00:15:18: In mehreren Reaktorblöcken kommt es deshalb zu gewaltigen Wasserstoff-Explosionen.

00:15:22: Da gibt's ein Video dazu, das werde ich euch mal in den Show Notes verlinken.

00:15:26: Dächer und Gebäudeteile werden komplett weggesprengt.

00:15:29: Die Bilder dieser Explosion gehen später um die ganze Welt Und jetzt passiert genau das was eigentlich unbedingt verhindert werden soll Radioaktive Stoffe gelangen in die Umgebung.

00:15:39: In mindestens drei Reaktoren kommt es schließlich zur Kernschmelzung, das bedeutet Teile der Brennstäbe und des Reaktorkerns schmelzen durch die enorme Hitze.

00:15:48: Man kann sich das ungefähr so vorstellen wie einen Motor, der so stark überhitzt dass die Metallteile anfangen zu schmelzten und so ineinander verlaufen Nur dass es sich hier zusätzlich um hoch radioaktives Material handelt.

00:16:02: Rundum das Kraftwerk wird die Lage von Stunde zu Stunde ernster, die radioaktive Belastung steigt immer weiter an!

00:16:08: Die Behörden ordnen dann Evakuierungen an – zuerst im Umkreis von drei Kilometern, dann zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer und später werden noch größere Gebiete geräumt.

00:16:19: Für viele Menschen bedeutet das innerhalb kürzester Zeit ihr Zuhause zu verlassen Schnell ein paar wichtige Dinge zusammenpacken, Haus durchschließen und nicht wissen ob man jemals zurückkehren kann.

00:16:29: Wenn ihr die Folge zehn gehört habt kommt euch das bestimmt bekannt vor.

00:16:33: in diesem Fall ist es aber tatsächlich so dass der Großteil dieser Menschen nicht mehr zurückkehen kann.

00:16:37: am Ende müssen rund hundertsechzig tausend Menschen ihre Heimat verlassen Und während die Katastrophe in Fukushima jetzt weltweit Schlagzeilen macht beginnt für viele Betroffene erst jetzt eine lange Zeit voller Unsicherheit.

00:16:48: Kapitel vier Die Opfer und die Folgen.

00:16:51: Hier wollen wir uns mal genauer anschauen, was im Nachgang passiert.

00:16:55: Oft wird Fukushima vor allem als Atomkatastrophe bezeichnet – das hatten wir ja vorher schon mal kurz angesprochen.

00:17:00: aber man darf nicht vergessen, schon dass Erdbeben und der Tsunami allein waren eine gewaltige Naturkatastrofe.

00:17:07: die Wassermassen zerstören ganze Küstenorte Häuser, Straßen, Bahnlinienhäfen, Stromnetze werden alles schwer beschädigt und vollständig zerstört.

00:17:16: Für viele Menschen verändert sich innerhalb weniger Minuten das komplette Leben.

00:17:21: Nach offiziellen Angaben sterben bei der Katastrophe über neunzehntausend Menschen.

00:17:25: Mehrere Tausend gelten bis heute noch als vermisst.

00:17:28: Viele Familien verlieren Angehörige, ihre Häuser und ihre gesamte Lebensgrundlage – besonders entlang der Nordküste Japans hinterlassen Erdbeben-und Tsunami massive Zerstörungen.

00:17:38: Die radioaktive Strahlung aus Fukushima selbst verursacht dagegen nicht annähernd so viele direkte Todesopfer wie der Tsunamii.

00:17:44: Das bedeutet allerdings nicht, dass die Folgen harmlos wären.

00:17:47: Für viele Menschen beginnt nach der Katastrophe eine lange Zeit voller Angst, voller Unsicherheit und Verlust.

00:17:53: Hunderttausende müssen ihre Heimat verlassen.

00:17:55: Familien werden auseinandergerissen, Freundeskreise zerbrechen – viele Menschen wissen jahrelang nicht ob sie jemals zurückkehren können!

00:18:02: Und dazu kommt die Angst vor gesundheitlichen Folgen.

00:18:04: auch das findet ihr in der Folge zehn ziemlich gut beschrieben.

00:18:07: Da geht es um die radioaktive Strahlung.

00:18:09: Die kann Zellen im Körper schädigen und die DNA verändern, dadurch kann unter anderem das Risiko für bestimmte Krebsarten steigen.

00:18:16: Besonders problematisch ist außerdem dass manche radioaktiven Stoffe nicht schnell verschwinden.

00:18:21: Einige bleiben über Jahre oder sogar Jahrzehnte gefährlich.

00:18:24: Deshalb entstehen rundum Fukushima Sperzonen.

00:18:26: In manchen Gebieten ist bis heute kein dauerhaftes Leben möglich Und neben den körperlichen Risiken gibt es noch eine weitere Folge, über die oft viel weniger gesprochen wird... ...die psychische Belastung.

00:18:37: Viele Menschen verlieren nicht nur ihr Zuhause, sie verlieren ihre gewohnte Umgebung, ihre Nachbarschaft und ein großes Stück ihres bisherigen Lebens.

00:18:44: Einige Betroffene berichten später von sozialer Isolation oder davon dass die als Menschen aus einer verstrahlten Region ausgegrenzt wurden.

00:18:52: Daran sieht man das.

00:18:52: die Folgen an der solchen Katastrophe Nicht einfach enden sobald die Nachrichtenkameras verschwinden.

00:18:57: Sie wirken oft noch so viele Jahre weiter.

00:19:00: Kapitel Fünf Was hat die Welt daraus gelernt?

00:19:03: Fukushima war ja nicht nur einen Schock für Japan.

00:19:06: Die Katastrophe löste weltweit Diskussionen über die Sicherheit von Atomkraftwerken aus und über Energieversorgung im Allgemeinen.

00:19:13: Plötzlich wurde vielen Menschen klar, dass selbst ein hochentwickeltes Land mit moderner Technik von einer extremen Naturkatastrophe überfordert werden kann.

00:19:21: Besonders gefährlich wird es dann wenn mehrere Dinge gleichzeitig schief laufen.

00:19:24: Er ist das schwere Erdbeben Dann der Tsunami und schließlich der Auswahl wichtiger Sicherheitssysteme.

00:19:29: Nach Fukushima überprüfen deshalb viele Länder ihre Sicherheitskonzepte für Atom Kraftwerke.

00:19:34: In Japan werden zahlreiche Reaktoren vorübergehend abgeschaltet und außerdem verschärft man die Sicherheitsstandards deutlich.

00:19:41: Auch in Deutschland hat Fukushima enorme politische Folgen.

00:19:44: Die Bundesregierung beschließt den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie.

00:19:48: Damit wird Fukushima zu einem wichtigen Wendepunkt für die sogenannte Energiewende.

00:19:52: Bis heute wird darüber diskutiert, wie man Energie gleichzeitig klimafreundlich und sicher erzeugen kann Denn Atomkraft wäre gestoßen im normalen Betrieb vergleichsweise wenig CO² aus.

00:20:02: Das ist ein großer Vorteil Aber gleichzeitig zeigen Katastrophen wie in Fukushima auch, wie schwerwiegend die Folgen im Ernstfall sein können.

00:20:09: Außerdem bleibt radioaktiver Müll über extrem lange Zeit gefährlich.

00:20:13: Fukushima hat deshalb das weltweite Bewusstsein für die riesigen der Atomenergie dauerhaft verändert.

00:20:18: Die Menschen sind etwas skeptischer geworden.

00:20:22: Auch heute viele Jahre später ist Fukushima noch immer nicht vollständig bewältigt.

00:20:28: Das Kraftwerk selbst bleibt eine riesige Baustelle.

00:20:32: Die Schäden sind so schwer, dass der Rückbau extrem kompliziert ist.

00:20:36: Noch immer arbeiten Spezialteams daran geschmolzene Brennstoffe zu sichern, radioaktives Wasser zu behandeln und die zerstörter Anlage Stück für Stück zurückzubauen.

00:20:44: Schon sehr früh wird damals klar – das wird kein Projekt für nur ein paar Jahre!

00:20:49: Der vollständige Rückbau wird vermutlich Jahrzehnte dauern möglicherweise dreißig bis vierzig Jahre oder sogar noch länger.

00:20:55: Gleichzeitig kehrt in einigen ehemals evakuierten Gebieten langsam wieder etwas Normalität zurück.

00:21:00: Manche Orte werden wieder freigegeben und einige Menschen können zurückkehren.

00:21:05: Straßen, Häuser und Infrastruktur werden schrittweise wieder aufgebaut.

00:21:09: Andere Regionen bleiben aber weiterhin gesperrt weil die Strahlenbelastung dort immer noch zu hoch ist oder eine dauerhafte Rückkehr für viele Menschen unmöglich bleibt.

00:21:18: Fukushima ist bis heute nicht einfach nur ein historisches Ereignis.

00:21:22: Es ist an Ort, an dem die Folgen dieser Katastrophe noch immer sichtbar sind.

00:21:26: Also heute haben wir gelernt dass eben hinter Fukushima nicht nur einen Reaktorenfall steht.

00:21:31: Wir haben gelernt wie gewaltig Naturkräfte sein können und das das worüber man eigentlich nie nachdenkt tatsächlich auch eintreffen kann.

00:21:38: Das dürfen wir glaube ich nicht vergessen.

00:21:40: Technik kann unglaublich leistungsfähig sein aber Angepasst an solche Extremsituationen ist sie teilweise eben noch nicht.

00:21:48: Und das war's für heute bei Wissens Helden!

00:21:51: Wenn euch die Folge gefallen hat oder ihr Fragen zu Fukushima habt, zu Atomkraft, zu Tsunamis oder Airbeben dann schreibt uns gerne und meldet euch bei uns bei Instagram.

00:22:00: Wir hören uns in der nächsten Folge wieder.

00:22:02: Bleibt bis dahin neugierig und passt auf euch auf Bis dahin.

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