10. Three Mile Island: Der Atomunfall, der die Welt in Atem hielt

Shownotes

In dieser Folge:

  • Der Atomunfall in Three Mile Island, 1979
  • Ursachen und technische Probleme im Reaktor
  • Notfallmaßnahmen und Reaktion der Behörden
  • Folgen für Atomkraft, Politik und Gesellschaft

Wikipedia-Link https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Three_Mile_Island

Mehr Infos findet Ihr hier https://de.facts.net/geschichte/historische-ereignisse/39-fakten-ueber-unfall-im-kernkraftwerk-three-mile-island/

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Hier gibt es Hintergrundinfos zu den Folgen – und Platz für Fragen und Diskussionen.

Quellen:

  • Berichte von US-Energiebehörten
  • Historische Dokumentationen zum Unfall
  • Zeitzeugenberichte

Links: https://www.kernenergie.ch/de/three-mile-island-_content---1--1104.html

https://www.spiegel.de/geschichte/reaktorunglueck-harrisburg-das-amerikanische-tschernobyl-a-948226.html

Transkript anzeigen

00:00:02: Wissenshelden Der Podcast, der euch spannendes Wissen einfach und verständlich näher bringt.

00:00:09: Sorgfältig recherchiert – alle zwei Wochen eine neue Folge zum Mitdenken!

00:00:15: Stell dir vor du schläfst tief und fest.

00:00:17: Es ist kurz nach vier Uhr morgens irgendwo in Pennsylvania in den USA.

00:00:22: Die meisten Menschen schlafen noch und draußen ist es still.

00:00:25: Doch mitten in dieser Dunkelheit auf einer kleinen Flussinsel im Susquehanna River passiert etwas Ungewöhnliches.

00:00:32: Da steht nämlich ein Kernkraftwerk und im Kontrollraum dieses Kernkraftwerks beginnen plötzlich Alarme zu leuchten.

00:00:39: Und die Menschen, die gerade Dienst haben sind ratlos und wissen nicht dass diese eine Fehlermeldung in den nächsten Stunden beinahe zur einer Atomkatastrophe führen wird.

00:00:48: Und damit ein herzliches Willkommen zurück an meine Wissens-Junkies, schön dass ihr wieder dabei seid bei Wissenzhelden.

00:00:54: Euren Podcast für spannende Geschichten aus dem Weltgeschehen und echtes Wissen das euch weiterbringt.

00:00:59: Wie immer gibt es hier alle zwei Wochen eine neue Folge über ein spannendes Thema!

00:01:03: Die heutige Folge ist besonders spannend vor allem weil ich glaube die meisten von Euch entweder noch nie von dem Vorfall gehört haben oder gar nicht so viel darüber wissen.

00:01:12: Heute geht es nämlich um einen Vorfall im Kernkraftwerk Three Mile Island einen der schwersten Atomunfälle in der Geschichte der USA.

00:01:20: Und bevor wir uns genauer anschauen, was dort passiert ist, lasst uns kurz darüber sprechen, wo das ist!

00:01:25: Three Mile Island ist eine kleine Insel mitten im Sasquiana River, einem ziemlich breiten Fluss im US-Bundestadt Pennsylvania und auf dieser Inselmitten in diesem Fluss steht es Kernkraftwerk.

00:01:36: Das steht übrigens auch heute noch da, ist aber nicht mehr in Betrieb.

00:01:39: Ich habe euch in den Shownotes mal den Link zur Wikipedia-Seite von Three Mile Island reinkopiert.

00:01:43: Da seht ihr auch, wo an der Ostküste des USA das genau liegt und da ist ein Foto des Kernkraftwerks zu finden.

00:01:49: Dann könnt ihr euch ein bisschen ein Bild davon machen!

00:01:51: Das Ganze befindet sich jedenfalls maximal zwei Kilometer entfernt von Städten und Wohngebieten.

00:01:57: ganz in der Nähe lebten damals tausende Menschen vor allem viele Familie mit Kindern die zum Beispiel von ihren Häusern aus direkt auf die Kühltürme des Kern Kraftwerk schauen konnten.

00:02:07: Die wissen an diesem Morgen noch gar nichts von diesem Vorfall und die Tatsache, dass der Vorfall sich unmittelbar neben Wohngebieten ereignet macht den Unfall so beängstigend.

00:02:15: Der passiert nicht irgendwo im Nirgendwo sondern wirklich mitten in einer bewohnten Region.

00:02:19: Und auch deshalb hat dieses Ereignis damals die ganze Welt erschreckt Denn vor dem Unfall Ende der siebziger Jahre galt Atomenergie für viele als die Zukunftstechnologie schlechthin.

00:02:30: Sie war modernen und leistungsstark aber vor allem sauber.

00:02:33: Atomkraftwerke standen für Fortschritt, aber es gab unter Fachleuten auch immer Restzweifel.

00:02:39: Denn viele hatten Angst vor etwas das man nicht sehen kann – nämlich der radioaktiven Strahlung!

00:02:44: Auch vor dem Atommüll, denn er ist noch nach tausenden Jahren gefährlich radioaktiv.

00:02:49: und bei der Atomenergie kam damals wie heute immer die gleiche Frage auf… Was passiert, wenn doch etwas schief geht?

00:02:56: Und dazu möchte ich kurz darauf eingehen, wieso wir Menschen überhaupt zu viel Angst vor einem Atomunfall haben.

00:03:01: Was macht das Ganze so gefährlich und was für Strahlen haben wir eigentlich Angst?

00:03:06: In ein Atomkraftwerk laufen wiederholt Kernspaltungen ab – wie genau das funktioniert?

00:03:11: Dazu kommen wir gleich nochmal im Detail.

00:03:13: aber dabei entstehen Stoffe die radioaktiv sind!

00:03:16: Und diese Stoffen haben soviel Energie dass sie in unseren Körper eindringen und in den Zellen unter DNA großen Schaden anrichten können.

00:03:23: Wenn die Strahlung zu hoch ist, dann kann das zu der sogenannten Strahlenkrankheit führen.

00:03:27: Die bei zu großer Strahlung tödlich endet oder es kann zu Krebs führen.

00:03:31: und das Schlimme daran ist dass der Krebs noch Jahre später auftreten kann.

00:03:34: Und radioaktive Strahlinge ist türkisch weil man sie nicht sehen, nicht riechen und auch nichts schmecken kann.

00:03:40: Und wenn die Strahlungen zu hoch sind, dann können ganze Gegenden in denen die Strahhlung freigesetzt wurde jahrzehntelang unbewohnbar sein.

00:03:47: Normalerweise bleiben diese Strahlen in einem Kernkraftwerk gut eingeschlossen, in einem Reaktor der ein Sicherheitssystem hat und als Schutzhülle fungiert.

00:03:54: Und man spricht dann von einer Atomkatastrophe wenn dieses System so stark versagt dass große Mengen radioaktiver Stoffe nach draußen gelangen sowie es zum Beispiel in Chernobyl oder Fukushima der Fall war.

00:04:05: Wenn ihr darüber noch nichts wisst dann habt Geduld auch darüber.

00:04:08: zumindest über Chernobyl wird es bald eine Folge geben.

00:04:11: Aber genau das macht den Menschen Angst.

00:04:13: Diese unsichtbare Strahlung, die sehr lange nachwirkt und Unfälle, die man nicht mehr eben wieder beseitigen kann.

00:04:19: Radioaktive Versäuchung bleibt teilweise Jahrzehnte und länger und deswegen reagieren Menschen bei dem Wort Atomkatastrophe oder Atomunfall so stark und ängstlich Und das Kernkraftwerk Three Mile Island sollte eigentlich zeigen, dass genau das nicht passieren kann und dass alles sicher ist.

00:04:34: Aber der Unfall von neunzehnhundertneunundsiebzig hat leider genau das Gegenteil bewiesen – er wurde zu einem abschreckenden Beispiel der Atomenergie und er zeigt wie gefährlich es wird wenn Technik-, Menschen- und Kommunikation gleichzeitig versagen.

00:04:46: aber dazu kommen wir gleich noch!

00:04:48: Und ursprünglich richtete sich unser Podcast ja an Teenager.

00:04:51: Das tut auch heute noch, aber ich weiß, dass viele Zuhörerinnen und Zuhörer dabei sind, die dem Teenageralter schon entwachsen sind.

00:04:58: Darüber freue ich mich wirklich sehr!

00:05:00: Aber trotzdem möchte ich, bevor wir über den Unfall sprechen, kurz für alle jüngeren Zuhärer unter euch ein paar Dinge erklären... Zum einen was versteht man eigentlich unter Atomenergie?

00:05:09: Vor allem was ist sein Kernkraftwerk?

00:05:10: Wie ist der Mensch überhaupt von der bis dahin bekannten Stromerzeugung zur Atomenergie

00:05:14: gekommen?!

00:05:15: Und wenn ihr dem Podcast fleißig hört, dann wisst ihr aus der Folge vier über das Manhattan-Projekt ja schon, dass während des Zweiten Weltkriegs schon auf Grundlage der gleichen Technologie also der Kernspaltung die Atombombe gebaut wurde.

00:05:27: Der entscheidende Unterschied dabei ist, dass die Kettenreaktion bei Atomkraftwerken kontrolliert wird – damit es nicht zu einer Explosion kommt wie man das bei der Atombombe ja möchte.

00:05:36: Und das passiert in einem Kernreaktor, der wiederum in diesem Kernkraftwerk steht!

00:05:40: Die zivile Kernenergie hat sich also direkt aus der militärischen Forschung ergeben.

00:05:44: Der zeitliche Ablauf war ungefähr so, dass in den dreißiger Jahren Otto Hahn und Fritz Straßmann erstmals die Entdeckungen gelangen, dass Atomkerne sich zerteilen wenn man sie mit Neutronen beschießt… ebenso viel Energie freigesetzt wird.

00:05:58: Die beiden Namen kennt ihr auch schon aus der Folge über das Manhattan-Projekt.

00:06:01: Nach dem Krieg erlangte man langsam die Erkenntnis, dass die gleiche Energiequelle auch friedlich genutzt werden könnte und aus dieser Erkenntnisse und entsprechender Forschung und Entwicklung entstanden die ersten Kernkraftwerke in den Fünfzigerjahren.

00:06:13: Vor der Atomenergie haben die Menschen ihre Energie also den Strom über Kohle-, Gas- und Öl bezogen Und Kohle, Gas und Öl erzeugen Strom durch Verbrennungen bei der Wärme entsteht.

00:06:24: Aber auch große Mengen CO²- und Luftschadstoffe werden freigesetzt – im Gegensatz zur Kernenergie die ohne Verbrennung auskommt.

00:06:31: Dadurch dass Kernkraftwerke ihre Wärmer aus der Kernspaltung gewinnen sind sie in Betrieb CO² arm!

00:06:37: Das war aber damals nicht der Grund, warum man sich dachte, dass Atomenergie eine richtig gute Sache ist.

00:06:42: Man hat sich damals ja noch gar keine Gedanken über den Klimawandel gemacht.

00:06:45: Die Gründe lagen zum einen an der enormen Energiedichte.

00:06:49: Man stellt nämlich fest das Kernbrennstoffe extrem viel Energie aus sehr wenig Material liefern.

00:06:54: Man kann also große Strommengen erzeugen ohne ständig riesige Mengen Brennstoff zu verbrennen oder zu transportieren.

00:07:00: Zum anderen kommt als weiterer wichtiger Grund die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit der jeweiligen Länder dazu.

00:07:07: Viele Länder haben wenig eigene fossile Ressourcen, also Öl-, Gas- oder Kohle – sowie auch Deutschland übrigens!

00:07:12: Die vorhandenen Vorkommen vor allem bei Öl- und Gas- bei uns decken nur einen sehr kleinen Bedarf ab.

00:07:18: Deutschland muss Öl und Gas aus anderen Ländern importieren und ist dadurch abhängig von diesen

00:07:22: Ländern.".

00:07:23: Heute wissen wir leider, dass das ein sehr wichtiger Aspekt ist und in Krisen zu einem großen Problem werden kann.

00:07:27: Und Kernenergieversprach damals, dass diese Abhängigkeit verringert werden kann.

00:07:31: Also wie wissen bis jetzt in Kernkraftwerken wird Strom erzeugt durch die Kernspaltung Aber wie genau funktioniert das?

00:07:38: Ich würde gern versuchen euch das so einfach wie möglich zu erklären Wenn ihr da jetzt gar nicht so gerne ins Detail gehen wollt sondern einfach nur den Unfall hören wollt dann müsst ihr ein bisschen vorspulen.

00:07:46: ich erkläre es euch aber jetzt.

00:07:48: Bei der Kernspaltung werden schwere Atomkerne aus Uran oder Plutonium gespalten.

00:07:53: Das passiert, indem Neutronen auf die Atomkernetreffen.

00:07:59: Die zerteilen sich in zwei Teile und dabei werden weitere Neutronen freigesetzt, die wieder andere Atomkerne treffen, die sich wieder teilen.

00:08:07: Und auch wieder neue Neutrohen freisetzen

00:08:09: usw.,

00:08:10: das nennt man dann diese besagte Kettenreaktion.

00:08:13: Wir haben ja schon gelernt dass die Spaltung sehr viel Energie in Form von Wärme freisetzt.

00:08:17: Diese Wärmung erzeugt dann Dampf der Tubinen antreibt welche wiederum Generatoren drehen und so elektrischen Strom produzieren.

00:08:25: Das Ganze passiert in einem Kernkraftwerk.

00:08:28: Wir brauchen Kernkraftwerke, also damit die Kernspaltung irgendwo geschützt durchgeführt werden kann und damit aus der Wärme irgendwie elektrischer Strom erzeugt wird.

00:08:36: Und das Ganze ist an sich – wenn man das so hört – ein gut funktionierendes System.

00:08:41: Solange der Reaktor gut gekühlt wird, ist alles unter Kontrolle.

00:08:44: Aber wenn diese Kühlung ausfällt dann wird es gefährlich und genau damit sind wir auch schon bei unserem Unfall aus der heutigen Folge.

00:08:50: Ich spanne euch jetzt nicht mehr weiter auf die Folter, wir steigen direkt ein!

00:08:54: Es ist der August, März, neunzehnundertneun und siebzig kurz nach vier Uhr morgens.

00:08:59: Block zwei des Kernkraftwerks auf Three Mile Island läuft fast mit voller Leistung – alles wirkt ruhig und routiniert im Normalbetrieb.

00:09:07: Doch dann passiert etwas was auf den ersten Blick unbedeutend aussieht!

00:09:11: Im sekundären Wassersystem also da wo das Wasser zu dampf wird und die Turbinen antreibt fällt eine Pumpe aus.

00:09:17: Dadurch kann weniger Wärme aus dem Reaktor abgeführt werden.

00:09:20: Der Reaktor reagiert jetzt genau so, wie er soll.

00:09:23: Die automatischen Schützsysteme greifen ein und der Reaktur wird blitzschnell abgeschaltet.

00:09:27: Eine solche Notabschaltung nennt man Scram und verläuft ganz automatisch.

00:09:31: Bis hierhin funktioniert die Sicherheitstechnik also einwandfrei Kein Drama und kein Unfall.

00:09:36: Aber jetzt beginnt eine Kette von Problemen.

00:09:38: Wir haben vorhin ja bereits gehört Wenn der Druck in einem Reaktors ansteigt muss er kontrolliert abgebaut werden Und dafür gibt es diese speziellen Sicherheitsventile.

00:09:46: Im primären Kühlkreislauf öffnet sich eines dieser Sicherheitsventilen nach der automatischen Abschaltung des Reaktors, um den Druck zu regulieren.

00:09:54: In diesem Fall, um dem Druck zu senken.

00:09:56: Nach wenigen Sekunden sollte es sich aber wieder schließen – das Ventil verhakt sich aber und bleibt offen!

00:10:01: Und dadurch entweicht jetzt Wasser aus dem primaren Kühlkreislauf also genau das Wasser was der Reaktorkeern dringend zur Kühlung braucht.

00:10:08: Hinzu kommt jetzt, dass im Kontrollraum niemand erkennen kann, dass das Ventil offen steht.

00:10:13: Die Anzeigen zeigen lediglich, dass ein Schließsignal gesendet wurde aber nicht ob sich das Ventile tatsächlich geschlossen hat und es ist kein technischer Defekt im klassischen Sinne sondern das ist so vorgesehen.

00:10:23: die Technik zeigt nur an, daß ein Schliessignal gesegnet wurde kann aber nicht anzeigen ob das dann auch tatsächlich passiert ist.

00:10:30: mit anderen Worten auf den Bildschirmen scheint alles halbwegs stabil zu sein.

00:10:35: Im Kontrollraum sieht man jetzt lediglich, dass sich der Reaktor abgeschaltet hat.

00:10:38: Was erst mal kein Problem darstellt, wenn die Kühlung weiterhin sichergestellt wird.

00:10:42: In Wirklichkeit verliert der Reakter jetzt aber fortlaufend Kühlwasser.

00:10:45: Dann taucht auf den Anzeigen auch noch etwas Merkwürdiges auf.

00:10:48: Es wird angezeigt das im Druckhalter einem zentralen Bauteil des Kühlsystems Der Wasserstand steigt.

00:10:55: Für die Bedienmannschaft ist es ein wichtiges Signal Denn normalerweise bedeutet ein steigender Wasserstand Das genügend Kühlmittel vorhanden ist vielleicht sogar zu viel.

00:11:05: Die Crew erkennt also weiterhin nicht, dass das Wasser verloren geht weil das Ventil ja noch offen steht.

00:11:10: Und zu Beginn habe ich euch ja schon erklärt, daß das Wasser immer unter Druck stehen muss damit es nicht aufkochen kann.

00:11:16: Das Problem ist jetzt aber, dass weil des Wasser verlorengeht der Druck sinkt und das Wasser langsam aufkocht wodurch Dampfblasen entstehen.

00:11:23: und genau diese Dampf Blasen verfälschen die Messwerte.

00:11:26: Die Instrumente melden, dass der Wasserstand steigt.

00:11:29: Die Realität ist weiterhin, das dem Reaktor Wasser fehlt – die Bedienmannschaft handelt aber jetzt aus ihrer Sicht völlig logisch mit fatalen Folgen.

00:11:37: Um einen vermeintlich zu hohen Wasserstand zu senken, reduzieren sie zusätzlich die Kühlung und währenddessen steht das Ventil weiterhin offen.

00:11:45: Unaufhörlich entweicht Kühlwasser aus dem System und es Ganze passiert weiterhin unsichtbar für die Menschen im Kontrollraum.

00:11:52: Innerhalb der ersten Stunde verschärft sich die Situation im Reaktorkern dramatisch.

00:11:56: Der Wasserstand singt so weit, dass viele der Brennstäbe jetzt nicht mehr vollständig vom Wasser umgeben sind und die Temperatur im Kern steigt.

00:12:04: Die Brennstäbe erhetzen sich soweit das schließlich das passiert was unter allen Umständen verhindert werden sollte.

00:12:10: Teile der Brenndstäbe beginnen sich zu verformen und beginnen zu schmelzen.

00:12:14: Es kommt also zur einer teilweise Kernschmelze.

00:12:18: Dann gegen sechs Uhr morgens kommt es zu einem entscheidenden Moment.

00:12:21: Eine neue Schicht übernimmt im Kontrollraum.

00:12:24: Mit frischem Blick auf die Situation erkennen die Operatoren, in dem Fall war's der Schichtleiter was zuvor übersehen wurde.

00:12:32: Zum einen zu hohe Temperatur Messwerte am Abflussrohr des offenstehenden Ventils und ein unfältnismäßig hoher Füllstand im Ablasetank – das ist der Tank wo das Wasser hingeht wenn das Ventil geöffnet wird.

00:12:44: Er reagiert sofort.

00:12:46: Ein zusätzlich vorgeschaltetes Absperrventil wird geschlossen, der akute Kühlmittelverlust wird also so gestoppt und jetzt ist die eigentliche Ursache des Problems erstmals wirksam eingegrenzt.

00:12:57: In den folgenden Stunden läuft ein Wettlauf gegen die Zeit.

00:13:01: Im Kontrollraum herrscht weiterhin Hektik und Panik Wasser wird zurück in den Primärkreislauf gepumpt und Schritt für Schritt versucht man den Reaktorkern wieder vollständig mit Wasser zu bedecken.

00:13:11: Die vollständige Stabilisierung dauert Stunden, da die Kernschmelze schon begonnen hatte und große Mengen Wasser benötigt wurden um die Restwärme abzuführen.

00:13:20: Nach rund sechzehn Stunden ist die Kühlung erstmals ausreichend wiederhergestellt.

00:13:25: Doch selbst jetzt ist die Krise noch nicht vollständig vorüber!

00:13:28: Im Containment, das ist der massive Schutzbehälter um den Reaktor herum hat sich inzwischen einen Wasserstoff-Sauerstoffgemisch gebildet.

00:13:36: Welches sich schließlich entzündet?

00:13:38: Es kommt zu einer Wasserstoffverbrennung die aber Gott sei Dank nicht mit einer Explosion einhergeht.

00:13:43: Deshalb bleibt die Schutzhülle des Reaktors intakt und das rettet damals vor katastrophalen Folgen.

00:13:48: Dadurch wird die Strahlung im Inneren des Schutzbehälters gehalten und wird nicht freigesetzt.

00:13:54: Der Kern ist zu diesem Zeitpunkt weitgehend zerstört, etwa die Hälfte des Brennstoffs ist geschmolzen oder stark deformiert und geschmolsenes Material sammelt sich am Boden des Reaktorbehälters.

00:14:06: Der Reaktore ist durch diese Kernschmelz unbrauchbar geworden und wird später dauerhaft abgeschaltet.

00:14:12: An dieser Stelle möchte ich das Ganze ein bisschen einordnen – der Unfall entstand nicht durch einen einzelnen Defekt oder auch nicht durch Fehlentscheidungen.

00:14:20: Er war das Ergebnis einer Verkettung mehrerer umglücklicher Faktoren.

00:14:24: Wir hatten zum einen das Ventil, dass sich verklemmt hat und offen geblieben ist.

00:14:28: Dann die Anzeigen, die eine falsche Sicherheit im Kontrollraum vermittelt haben... ...und Entscheidungen, die unter enormem Zeitdruck in einem hochkomplexen Kontrollraum getroffen werden

00:14:37: mussten.".

00:14:38: Die Bedienmannschaft hat hier also nicht leichtsinnig oder feilässig gehandelt sondern sie haben einfach auf das reagiert was ihre Instrumente ihnen gezeigt haben.

00:14:44: und so wie Sie es gelernt hatten Und weil die Anzeigen eben nicht die tatsächliche Situation im Reaktorkern widerspiegelt haben, kam es genau zu dieser unsichtbaren Diskrepanz und machte die Lage so gefährlich.

00:14:55: Jetzt schauen wir aber auch was außerhalb des Kernkraftwerks passiert

00:14:58: bzw.,

00:14:58: was die Anwohner mitbekommen und da durchmachen!

00:15:01: In den ersten Stunden des Vorfalls war die Lage nämlich noch ziemlich unklar und draußen außerhalb des Kernkraftwerks weiß noch niemand so richtig was da passiert ist.

00:15:09: Die Menschen hören Sirenen, es gibt tatsächlich Menschen, die dem Polizeifunk mithören und dadurch wissen das es einen Vorfall im Kernkraftwerk gegeben hat aber sonst wissen sie nichts.

00:15:18: erst nach und nach sie hatten Informationen nach draußen Im Radio hörten die Leute zunächst wahr gemeldungen über einen Zwischenfall.

00:15:26: Dann hieß es, dass seine radioaktive Gase freigesetzt wurden.

00:15:30: Die Behörden erklären aber das die zusätzliche Strahlung für die Bevölkerung nur sehr gering sei und zwar in der Größenordnung der natürlichen Hintergrundstrahlung oder nur ganz knapp darüber.

00:15:40: Aber die Menschen sind misstrauisch – sie hören nur die Wörter, Kernkraftwerk, Strahlungen, Unfall und trauen der Aussage, dass es keinen Grund zur Sorge gäbe.

00:15:49: nicht!

00:15:49: Und ist auch kein Wunder….

00:15:51: Der Governor von Pennsylvania stand damals unter enormem Druck.

00:15:54: Auch er bekam widersprüchliche Informationen.

00:15:57: Manche Experten schildern, dass die Situation unter Kontrolle sei und keine Strahlung aus dem Reaktorkern gewichen ist.

00:16:03: Was er auch in einer Pressekonferenz kundetut.

00:16:06: Als er aber danach gefragt wird wie und wo genau die Messungen erfolgen und ob man sich auf diese verlassen könne übergibt er das Wort an einen Fachmann – und der sagt dann genau das Gegenteil!

00:16:15: Man habe erhöhte Strahlungen außerhalb des Reaktors gemessen und er warnt vor der Möglichkeit einer weiteren massiven Freisetzung von Strahlung falls sich die Lage verschlechtert.

00:16:24: Schließlich empfiehlt der Gouverneur das Schwangere kleine Kinder im Umkreis von fünf Meilen, also ungefähr acht Kilometern das Gebiet verlassen sollten.

00:16:32: Kurz darauf wurde dieser Radius auf ungefähr zwanzig Meilen erweitert, also irgendwas über dreißig Kilometer.

00:16:38: Ungefähr hundertvierzichttausend Menschen haben dann in den folgenden Tagen vorsorglich die Region verlassen.

00:16:43: Viele haben ihre Kinder, ihre Haustere und ein paar Klamotten gepackt und losging es – oft wussten sie gar nicht ob sie überhaupt wiederkommen könnten!

00:16:50: Es war nämlich auch so, dass der Betreiber Metropolitan Edison ihre führende und unvollständige Informationen herausgegeben hat.

00:16:57: Zum Beispiel hat Metropolitan Addison die Schwere des Vorfalls auf keine Gefahr definiert – obwohl ihnen selbst die Lage noch völlig unklar war!

00:17:05: Und es gab auch widersprüchliche Aussagen zur Radioaktivität und zu den Evakuierungen und das hat eben zum Misstrauen und Panik geführt.

00:17:12: Später gab es dann auch kritische Untersuchungen darüber, dass sie die Öffentlichkeit nicht transparent informiert hatten.

00:17:18: Die große Frage lautet bis heute, was hat dieser Unfall den Menschen gesundheitlich angetan?

00:17:23: Offizielle Untersuchungen und Messungen ergaben dass die freigesetzte Strahlung in der Umgebung gering war.

00:17:48: Aber nach dem Vorfall trat vor allem eins ein, womit niemand gerechnet hatte.

00:17:52: Studien zu Three Mile Island zeigten nämlich dass in den ersten Wochen nach dem Unfall viele Menschen unter starkem Stress Angst Schlafproblemen und Gefühlen von Hilflosigkeit litten.

00:18:04: Besonders betroffen waren Familie mit kleinen Kindern Menschen die indirekter Nähe des Kernkraftwerks wohnten Und Arbeiter die mit dem Kernkraftwerk eben in Verbindung standen.

00:18:13: Die Ungewissheit und das Misstrauen haben also eine enorme Angst ausgelöst.

00:18:17: Was passierte denn mit dem Reaktor nach dem Unfall?

00:18:21: Der Reaktorkern war teilweise geschmolzen und große Teile der Brennenelemente waren beschädigt.

00:18:26: Es dauerte Jahre, um die Anlage zu dekontaminieren, radioaktives Wasser zu reinigen und den geschmolsenen Brennstoff Stück für Stück aus dem Reakordruckbehälter zu holen.

00:18:36: Die Kosten gingen in die Milliarden Dollar und zogen sich bis in die neunziger Jahre.

00:18:40: Der andere Block, Block I, der lief dagegen noch Jahrzehntelang weiter, bis er wirtschaftlich nicht mehr rentabel war und schließlich abgeschaltet wurde.

00:18:48: Auf ein oder selben Insel steht also ein Reaktor, der als beinahe Katastrophe in die Geschichte eingeht – und wenige hundert Meter weiter einen anderen Reaktoren, der noch lange Zeit weiter Strom produziert.

00:18:59: Three Mile Island hatte aber enorme Auswirkungen darauf, wie die USA und der Rest der Welt mit Atomkraft umgehen.

00:19:06: Die Aufsichtsbehörde verschärfte Regeln und Kontrollen deutlich.

00:19:10: Es gab mehr Schulungen für Personal es gab bessere Notfallpläne Es wurde mehr Fokus auf die Sicherheitskultur gelegt.

00:19:16: Der Ausbau der Atomenergie wurde aber erst mal stark gebremst.

00:19:20: Viele geplante Reaktoren wurden verzögert oder abgesagt.

00:19:23: Three Mile island gilt ein bisschen als Wendepunkt zum Atomstrom kippt ein bisschen ins Skepsis und Misstrauen.

00:19:32: Umfragen zeigten damals, dass die US-Bevölkerung auch bis heute noch ziemlich gespalten ist.

00:19:37: Etwa die Hälfte für und die andere Hälfe gegen Atomkraft.

00:19:41: Die Diskussion über Atom Kraft taucht vor allem immer dann auf wenn es um Klimaschutz und CO² freien Strom geht.

00:19:47: Einerseits wollen wir weniger CO² aber wir haben weiterhin Angst vor Atomunfällen.

00:19:52: Die Frage bleibt immer, ob wir uns eine Welt ganz ohne Atomkraft überhaupt leisten können.

00:19:57: Und trauen wir uns damit weiterzumachen – obwohl Three Mile Island und später Chernobyl und Fukushima passiert sind!

00:20:03: Für Deutschland lässt sich das ziemlich gut beantworten.

00:20:06: Die letzten drei Kernkraftwerke wurden im Jahr- und Jahrzehnte abgeschaltet.

00:20:10: Die Gründe dafür waren zum einen Sicherheitsbedenken vor allem nach der Katastrophe in Fukushima in den Jahr-und-Jahren.

00:20:17: Dann gab es das Endlagerproblem.

00:20:19: Ich hatte zu Beginn kurz angesprochen, dass der Atommüll irgendwo sicher gelagert werden muss.

00:20:23: Aber niemand möchte das bei sich bzw in der Nähe von Wohngebieten haben.

00:20:28: Daher gibt es bei uns in Deutschland keine aktiven Kernkraftwerke mehr.

00:20:31: Weltweit sieht aber anders aus – die USA betreiben heute zum Beispiel weiterhin eine große Anzahl aktiver Atomkraftwerken und sie gehören zu den Ländern mit den meisten laufenden Reaktorblöcken weltweit!

00:20:42: Auch Frankreich betreibt weiterhin viele Atomkraftwerke und setzt sogar noch stärker auf Kernenergie als früher.

00:20:48: Dort sollen zeitnah sogar weitere Kraftwerke gebaut werden, aber Kernenergy bleibt ein Dilemma.

00:20:54: Sie kann viel Strom mit wenig CO-Zweiliefern, Aber Unfälle zeigen wie groß das Risiko ist wenn etwas schief geht.

00:21:01: Solimal Island hatte nicht die Ausmaße von dem was wir nur sieben Jahre später leider in Chernobyl erleben würden, aber es hat der Welt gezeigt wie knapp die USA an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist.

00:21:11: Was meinst du denn?

00:21:12: Würdest du neben einem Kernkraftwerk wohnen wollen?

00:21:16: Und hättest du den Leuten vertraut, wenn sie dir gesagt hätten ja es ist alles sicher kein Grund zur Sorge?

00:21:21: Schreibt uns doch gerne mal eure Gedanken oder diskutiert mit euren Freunden darüber.

00:21:25: Denn nicht vergessen Wissen ist eure Superkraft und damit sind wir am Ende unserer Folge angekommen.

00:21:30: Ich hoffe ich konnte euch wieder mit interessantem Wissen füttern.

00:21:33: Wir hören uns nächste Woche wieder Mit einer wirklich spannenden Folge!

00:21:36: Ich weiß ich sagt das immer Aber das sind halt auch immer spannende Folgen.

00:21:39: Ich freue mich auf Euch Bis dahin.

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